Darf’s a bisserl mehr sein?
- Sonntag, April 19, 2009, 15:58
- Quo Vadis
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Volle Konzentration!
In Albanien gibt es mehr Tageszeitungen als in Österreich (15). Auch im Rundfunkwesen hat sich Österreich lange Jahre durch die Monopolstellung des össentlichrechtlichen ORF unrühmlich hervorgetan. Es wurden immer wieder neue Begründungen von der Politik erfunden, warum in Österreich ein privater Rundfunk nicht möglich wäre. Anfangs redete man sich auf die Frequenzen aus, von denen aufgrund nicht zuletzt der ungünstigen geologischen Beschaffenheit Österreichs mit seinen vielen Tälern, nicht genug vorhanden wären.
Eines der letzten Argumente der “Monopolisten” war, dass der österreichische Werbemarkt zu klein sein. Man muss da gar nicht zwischen den Zeilen lesen können, um zu wissen, dass das einzige gewesen, das zu gering war: der politische Wille!
Rolle der Medien
Ohne Medien gibt es keine stabile, anhaltende Kommunikation zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den Bürgern. Sie nehmen Einfluss auf die Organisation der demokratischen Strukturen, bestimmen den Dialog zwischen Bürgern und Politik und sind wichtige meinungsbildende Informationsträger.
In Österreich geben sich scheinbar die meisten Leute mit der “Kronen Zeitung” zufrieden. Wenn man dann die sogenannten “Qualitätszeitungen” wie den “Standard” oder “Die Presse” liest, weiss man, sofort, dass der Ruf Österreichs als Kulturland sicher nicht im wahrsten Sinne des Wortes aus der Zeitung heraus gelesen werden kann.
Düstere Prognosen
Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet Medienkonzentration Nachteile für die Mitbewerber und höhere Barrieren für einen Markteintritt: Medien-konzentration zementiert sich selbst ein.
Die Ökonomisierung der Medienlandschaft ist ein globales Phänomen. Österreich stellt mit seiner Medienkonzentration im europäischen Vergleich einen Sonderfall dar - fehlt zur Krönung nur noch ein “österreichischer Berlusconi”. Was bedroht die kulturelle Vielfalt eigentlich mehr? Ist es der Druck der sogenannten “Liberalisierung” (Kapitalismus) im kulturellen Bereich oder ist es die Medienkonzentration? Wenn man sich das Resultat ansieht, ist dann die staatliche Presseförderung nicht gescheitert und wenn ja, wann wird ein besseres Modell entwickelt?
Beruf ‘Journalist’ in der Krise
Nach einer Erhebung der Journalistengewerkschaft sind in Österreich rund 6500 Menschen als schreibende Redakteure, Fotoreporter, Online-, Radio- oder TV-Journalisten beschäftigt.
Von der steigenden Arbeitslosigkeit ist auch die Medienbranche nicht verschont geblieben. Ein zweistelliges Werbe- und Anzeigenminus in den letzten Jahren ging an die Substanz der Medienhäuser. Es rächten sich die verfehlte Medienpolitik und das daraus indirekt mitverschuldete Dumping bei den Inseratenpreisen. Das zu eng geschnürte Korsett des Marktes drohte allen die Luft abzuschnüren - die Personalkosten mussten reduziert werden. Über 500 Journalisten und Schriftsteller sind beim AMS arbeitssuchend gemeldet, bei steigender Tendenz.
Das System in Frage stellen
Eine Studie zur Medienkonzentration in Deutschland hat vor zwei Jahren ergeben, dass viele Wechselbeziehungen zwischen Medien, mit anderen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Bildung und Kultur ausüben sollen, unter der Bedingung der Konzen-tration von Medien nicht mehr wahrgenommen werden. Durch die Entpolitisierung der Medieninhalte wird die Herstellung politischer Öffentlichkeit vernachlässigt.
Probleme der Konzentration in der Wirtschaft zählen zu den Grundproblemen aller privat- und marktwirtschaftlich organisierten Wirtschaftssysteme, da sie das System an sich damit in Frage stellen. Mit zunehmender Konzentration verlieren sie ihre Legitimation.
Andere Art der Konzentration erforderlich
Konzentration ist auch ein Zustand geistiger Wachheit, die einen bestimmten psychischen Entwicklungsstand voraussetzt. Grundlage für Konzentrationsfähigkeit sind willkürliche und unwillkürliche Aufmerksamkeit. Konzentration bedeutet auch, die eigene Wahrnehmung für einen bestimmten Zeitraum auf nur eine einzige Sache oder Tätigkeit zu lenken.
Österreich braucht Medienkonzentration, aber eine neue Art der Medienkonzentration. Zur Zeit sind in der Politik die Verwalter unterwegs, die keinerlei Führungsaufgaben übernehmen wollen. So verfahren wie der Karrren in Österreichs Medienlandschaft ist, wird sich die Politik damit einmal lange beschäftigen müssen.
(c) Viennawolf 02. 08. 2004
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