Der Mensch als Ware?

Fortschritt der Medizin
Viele Patienten warten auf eine Organtransplantation. Lebensqualität und -erwartung dieser Menschen nehmen von Tag zu Tag ab. Eine Rettung ist oft nur durch eine Organspende möglich. Dabei kann jeder plötzlich in eine Situation gelangen, in der er auf eine Organspende angewiesen ist. Übertragbare Organe sind Herzen, Lungen, Lebern, Nieren, Bauchspeicheldrüsen und Darm.

Die neuen Möglichkeiten der Medizin schaffen aber auch neue Probleme, oft ethischer Art. Der Zeitpunkt des Todes ist nicht mehr so eindeutig wie früher (Stichwort “Hirntod”), und es können heute immer mehr Menschen gerade noch gerettet werden, die nie mehr einen Kontakt zur Außenwelt herstellen, geschweige denn in ein “normales” Leben zurückkehren können.

Arten der Transplantation
Eine Transplantation ist eine Verpflanzung von Zellen, Gewebe oder Organen. Das Transplantat kann einem Empfänger oder dem Spender selbst an einer anderen Stelle eingepflanzt werden. Es gibt grundsätzlich fünf verschiedene Arten der Transplantation zu unterscheiden:

1.) künstliches Material wird implantiert (alloplastische Transplantation), 2.) Spender ist ein anderer Mensch (Allotransplantation), 3.) Spender und Empfänger sind die selbe Person (autologe Transplantation ), 4.) Spender ist der eineiige Zwilling (isogene Transplantation), 5.) Spender gehört einer anderen Art an ( Xenotransplantation)
Ein Akt der Nächstenliebe?
Organspende wird heute von Mediziner fast nur aus der sicht der Machbarkeit und der Möglichkeit betrachtet. Organspende sei ein Akt der christlichen Nächstenliebe, die über den Tod hinausgehe.

Damit Transplantationsmedizin übehaupt möglich wird, ist zunächst das Sterben eines Menschen Voraussetzung. Ein Mensch, der nicht mehr genug Kraft besitzt um weiterzuleben, aber noch genügend Leben für andere in sich hat. Das ist eine im wahrsten Sinne des Wortes MERK-WÜRDIGE Situation: Spender und Empfänger befinden sich in einer ähnlich prekären Situation. Wenn man bedenkt, dass in manchen Köpfen schon die Phantasie einer Kopftransplantation herumschwirrt, frage ich mich, wohin uns diese Forschungsreise noch hinführen wird.

Eine Frage der Ethik
Die Ethik als Anleitung zum richtigen Handeln ist ein Teilgebiet der Philosophie, das sich mit den Grundlagen menschlicher Werte und Normen, des Sittlichen und der allgemeinen Moral befasst.Zentrale Probleme der Ethik betreffen die Motive, die Methoden und die Folgen menschlichen Handelns. Es ergeben sich sehr unterschiedliche Ethiken, je nachdem, wie die Gewichte zwischen diesen drei Themen gelegt werden.

Ein nicht mehr zu rettender Patient ist natürlich noch kein Verstorbener. Man muss sich diesen Unterschied bewusst vor Augen halten, denn mit dem Wunsch nach Weiterleben bei den Patienten lässt sich natürlich auch ein gutes Geschäft machen: eine Gradwanderung zwischen Hilfestellung und Missachtung der Menschenwürde.

Kampf ums Überleben
Die Individualität eines Menschen reicht bis in seine letzte Körperzelle. Sie bleibt auch in einem transplantierten Organ vorhanden, sodass starke Medikamente eingesetzt werden müssen, um Abwehrreaktionen gegen diesen Fremdkörper zu unterdrücken. Das Immunsystem des Organempfängers wird hierdurch geschwächt. Manch Transplantierter stirbt später qualvoll an Infektionen, da sich sein Körper nicht wehren darf, um das transplantierte Organ nicht abzustoßen.

Der Mensch ist in Gefahr zum “Recycling-Objekt” zu verkommen, als “Ersatzteil-Lager” der je nach körperlichen Gesundheitszustand wie eine Firma an der Börse bewertet wird.

Leben um jeden Preis?
Angesichts von Transplantationsinstituten georteter “Organknappheit” wird mein Körper zur Ware. Der Anspruch einer Gesellschaft, die den Tod so sehr verachtet, dass alternde Menschen in eigens dafür geschaffene Heime “verbannt” werden, reicht tief in das Innerste meines Körpers hinein. Als Träger vieler Organe werde ich zum heiß begehrten Objekt für Organverteilerstellen.

Wer weiß, vielleicht kann man bald zu Lebzeiten auf seine Organe eine Hypothek aufnehmen? Der Fortschritt der Medizin bringen uns alle in einen schweren Gewissenkonflikt. Es stellt sich nicht mehr nur die philosophische Frage:
Der Mensch als Maschine?
(c) Viennawolf 16. 08. 2004

Links:

Infoline Transplantation

Ärztezeitung

Medicine Worldwide

Organspende und Transplantation

Novartis Austria

Bericht einer Betroffenen

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