Elisabeth Kübler-Ross

Ein Leben mit dem Tod
Dass der Tod gar nicht existiere, war eine der provokantesten Thesen der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die 78-jährig vor wenigen Wochen in Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) von dieser Welt gegangen ist. Bekannt wurde die gläubige Protestantin durch ihre Forschungen über das Sterben und den Tod. Charakteristisch für ihre Arbeit war die Einbeziehung schwer kranker oder sterbender Patienten.

Neben zahlreichen auf Deutsch erschienen Büchern engagierte sich Kübler-Ross auch praktisch und initierte in den USA Hospize vor Sterbende, und auch für todkranke Kinder. Sie wollte sogar AIDS-Kranke aufnehmen, was jedoch ihre Krankheit verhinderte.

Der Tod, ein schönes Erlebnis
Früher hat man mit Sterbenden nicht über den Tod gesprochen, sie abgeschoben und womöglich ohne ausreichend Schmerzmittel ihren Schicksal überlassen. Dank Kübler-Ross hat sich das zum Positiven geändert: Wer heute in Ruhe und Frieden Sterben möchte, kann sich an ein Hospiz wenden. In jedem Hospital kann man nun ausreichend Schmerzmittel bekommen, ohne das der eigene Verstand zu sehr beeinträchtigt wird.

Mit ihren Aussagen über die Zeit nach dem Tod machte sie sich vor allem in der Wissenschaft Feinde, denn sie bezeichnete ihn als eine beglückende Erfahrung, den Übergang in eine andere Dimension. Da wir heutzutage sehr stark vom Materialismus geprägt sind und alles geistliche ablehnen, kann so eine Aussage Staub aufwirbeln.

Angst vor dem Sterben
Die weit verbreitete Angst vor dem Sterben führt Kübler-Ross auf die heutige Angst vor dem Leben zurück – ein Urvertrauen in das Leben sei kaum mehr vorhanden. Nach Kübler-Ross lösen Sterbende von ihrem Körper wie Schmetterling aus seinem Kokon. Man löst sich von seinem körperlichen Körper und beobachtet ihn aus der Vogelperspektive.

Niemand sterbe allein, da auf jeden Sterbenden im Jenseits jene Menschen warten, die diesem am nächsten standen. Nach eigenen Angaben freute sich Kübler-Ross auf ihren eigenen Tod. Sie hatte bereits 1995 einen Schlaganfall erlitten und war seither an den Rollstuhl gefesselt. Das Leben hatte für sie keinen Sinn mehr und der Abschied von dieser Welt fiel ihr trotzdem nicht leicht.

Sterbehilfe
Die Niederlande legalisierten im November 2000 als erstes Land der Welt die aktive Sterbehilfe.Aktive Sterbehilfe umfasst Maßnahmen, die das Leben beenden, wie die Gabe tödlich wirksamer Medika-mente. Gerade die Vorstellung von Hilflosigkeit und qualvollem Siechtum im Endstadium einer Krebserkrankung ist vielen Menschen unerträglich. Nach österreichischen Recht ist Sterbehilfe strafbar, und es gibt auch keine politische Partei, die diese befürwortet.

So verständlich der Wunsch vieler Menschen nach einer “schnellen Erlösung” ist, so problematisch ist er unter rechtlichen und ethischen Gesichtspunkten für Ärzte, insbesondere vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Euthanasie im Nationalsozialismus
Die Hintergründe des neuzeitlichen Vernichtungsgedankens liegen im sozialdarwinistischen Denkmodell. Gesellschaftstheoretiker übertrugen die Selektionstheorie auf die Entwicklung von Gesellschaften. Durch den Sozialdarwinismus war in den Augen der Nationalsozialisten im Dritten Reich eine Rechtfertigung für das Töten von „Schwächeren“ und von als minderwertig bezeichneten Menschen gegeben.

Mit seinem „Euthanasiebefehl“ vom Oktober 1939 ermächtigte Adolf Hitler die Tötung so genannten „lebensunwerten Lebens”. Mit ihm begann die erste systematische Vernichtung von Menschen im Dritten Reich. Im Ärzte-Prozess von Nürnberg ging die Anklage von 275000 Getöteten aus.

Liebe zur Arbeit
Insbesondere mit Blick auf unsere unrümliche Vergangenheit wäre ein sensibler Umgang mit dem Thema Tod von Nöten. Unsere Spass- und Erlebnisgesellschaft hat dafür aus verständlichen Gründen wenig Platz, denn alles vergängliche wird abgelehnt, sogar das Alter diskriminiert, obwohl der Tod ein Thema ist, das alle betrifft.

In ihrem Leben erhielt Kübler-Ross 23 Ehrendoktortitel und ihre etwa zwanzig Bücher wurden in millionenfacher Auflage in zwanzig Sprachen gedruckt. “Wenn Sie ein gutes Gewissen haben und Ihre Arbeit mit Liebe ausführen, wird man sie anspucken, wird man Ihnen das Leben schwer machen. Und zehn Jahre später bekommen sie über zwanzig Ehrendoktortitel für die gleiche Arbeit”, so Kübler-Ross.
(c) Viennawolf 15. 09. 2004

Links:

Elisabeth Kübler-Ross

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Gedenksendung

Jenseitswissen

Shoa

Euthanasie in Wien

Hospiz-Net

Hospiz Österreich

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