Experimente mit der Wahrheit

Zufällige Übereinstimmung
Es war in der Mittelschule, als ich mich für ein “5-Minuten-Referat” in Englisch (das dann die ganze Unterrichtsstunde in Anspruch nahm) vorbereitete. Da traf ich das erste Mal bewusst auf diesen gerade einmal 135 Jahre älteren Mann. Ich dachte lange, am 2. Oktober wären noch keine berühmten Leute geboren worden…

Ein 16-jähriger Schüler nimmt sich eines Mannes an, der kein schnelles Auto fuhr, meines Wissens auch kein Partylöwe war und auch kein wirtschaftliches Imperium aufgebaut hat: Was ist los? Ist es nicht eigenartig, dass ich mich für jemanden begeistern kann, der die Werte der Leistungsgesellschaft, das Recht des Stärkeren, usw. in keiner Weise vertreten hat.

Das Schlüsselerlebnis
Ein für den weiteren Verlauf seines Lebens prägendes Ereignis widerfuhr Gandhi in einem Zug in Süd-Afrika. Er fuhr in einem Erste-Klasse-Abteil als er von einem weissen Südafrikaner dazu aufgefordert wurde, eben dieses zu verlassen, weil er nicht mit einem Inder im selben Abteil sitzen wollte. Als sich Gandhi weigerte und dies mit seinem gültigen Ticket begründete, wurde er beim nächsten Halt auf den Bahnsteig geschmissen.

Nach diesem Erlebnis reifte in ihm der Entschluss gegen die Unterdrückung ankämpfen zu wollen. Er fasste den Entschluss nie wieder Unterdrückung zu erdulden und in seinen Kämpfen niemals Gewalt anzuwenden, auch nicht wenn gegen ihn Gewalt angewendet werde.

Satyagraha: die Lebensgrundlage
“Satyagraha” bedeutet “Festhalten an der Wahrheit”. Unser Handeln sollte stets von der Wahrheit geleitet sein. Ohne Wahrheit ist es unmöglich, irgendwelche Grundsätze oder Regeln im Leben zu befolgen. Bei jedem Mensch, der der Wahrheit folgt ist alles im Lot. Wenn er einem Irrtum unterliegt, wird von selbst alles ins Reine kommen.

Wahrheit ist identisch mit Gewaltlosigkeit, das natürliche Verhalten des wahrhaftigen Menschen. Die Wahrheit finden heißt sich selbst verwirklichen, sein Schicksal erfüllen, vollkommen werden. Wahrhaftig im Verhalten kann nur sein, wer wahr im Sein ist. Wahr im Sein ist, wer in der Liebe steht. Darum ist Gewaltlosigkeit das Gesetz unseres Seins, wenn wir in der Wahrheit stehen.

Das Erbe des Mahatma
Die politischen Fakten des gegenwärtigen Indien sind ohne Gandhis kraftvolle Arbeit nicht vorstellbar. Die religiösen Strukturen, allen voran Hinduismus und Buddhismus waren die Voraussetzung für Gandhis Erfolg. Es war kein Erfolg auf der ganzen Linie: die Aufteilung des Landes in das muslimische Pakistan und das mehrheitlich hinduistische Indien zerstörten seinen Traum von einem friedlichen Nebeneinander der Religionen.

Heute sind in Indien Gandhis Methoden wenig gefragt. Das Land, das einst von der Philosophie des Mahatmas in die Unabhängigkeit getragen wurde, besitzt heute die Atombombe und mischt in der Weltpolitik bekannten Stils mit.

Bedeutung für die Friedensbewegung
“Auge um Auge, und die ganze Welt wird blind”, ist ein oft zitierter Ausspruch des Mahatmas, der sein Prinzip der Gewaltlosigkeit augenscheinlich erklärt. Er war der erste, der effektiv vorzeigte, dass man ohne Gewaltanwendung sehr erfolgreich kämpfen kann. Leute die gegen Kriege demonstrieren benützen seine Pholosophie, um die Welt zu verändern.

Ein anderes Beispiel sind die Umweltaktivisten, die sich beispielsweise an einen Baum ketten, damit dieser nicht gefällt wird, oder an eine Schiene, damit einem Atommülltransport der Weg versperrt ist. Gandhis Philosophie des gewaltlosen Kampfes ist getragen vom Respekt vor dem Leben – es zu schützen und nicht zu zerstören!

Gandhi privat
Das Leben Mahatma Gandhis wurde von Richard Attenborough mit Ben Kingsley in der Hauptrolle verfilmt. Über sein Privatleben war nichts zu erfahren, und ich dachte auch lange, er hätte keine Nachfahren. Nein, den anderen Fehler, Indira und Rajiv Gandhi seiner Dynastie zuzordnen ist mir nie passiert. 1882 wurde er mit der damals 10-jährigen Kasturba verheiratet. 1888 wurde sein erster Sohn Harilal geboren.

Es folgten drei weitere: 1892 Manilal, 1897 Ramdas und 1900 Devadas. Kasturba war mit ihren Mann 62 Jahre lang verheiratet, und das obwohl dieser ab 1906 im Zölibat lebte. Sie unterstütze ihn weiter in seine Bemühungen und übernahm eine Stellvertreterfunktion, wenn er eingesperrt wurde.
(c) Viennawolf 29. 09. 2004

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