Gott in Frankreich

Sharon warnt vor Antisemitismus
In Frankreich herrscht Aufruhr! Da erdreistet sich ein ausländischer Regierungschef französische Staatsbürger dazu zu veranlassen, aus Frankreich auszuwandern – eine Ungeheuerlichkeit. Jeder, der schon mindestens einmal mit “französischen Charme” Bekanntschaft gemacht hat, kann das bestätigen.

Mir ist es öfter passiert, dass ich auf der Strasse von aufgebrachten Urlaubern erbost darauf angesprochen wurde, dass man leider keine französischsprachigen Hinweistafeln und der gleichen finden könnte – wohlgemerkt: in Österreich! Wer, so geprüft, den Nationalstolz der Franzosen richtig einzuschätzen vermag, für den ist der israelische Ministerpräsident Sharon ein Held! Ansonsten kommt er ja nicht so gut weg, bei uns und in den Medien.

Was ist Antisemitismus
Antisemitsimus ist die seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Juden-feindlichkeit, die nicht mehr auf religiösen Motiven, sondern auf Rassismus beruht. Psychologisch betrachtet dient Antisemitismus der “Selbstentgiftung”: man will seine Minderwertigkeit und Schuld los werden – das Negative an der eigenen Person wird auf die Juden projiziert.

Antisemitismus ist selbstverständlich auch ein Phänomen der Massenpsychologie. Juden werden meist keine unmittelbaren Zeugen antisemitischer Angriffe. Im täglichen Leben wird Antisemitismus meist nur vage und diffus geäußert. Eine Abwandlung des Antisemitismus ist die hierzulande “besser bekannte” Ausländerfeindlichkeit – Stichwort:”Österreich zuerst”

Der erfundene Überfall
Anfang Juli machten schreckliche Meldungen eine Runde durch die Weltpresse. Eine 23-jährige Französin sei in einem Zug von mehreren Jugendlichen überfallen worden, ihre Haare seien abgeschnitten und ihr Bauch mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Keine der mitreisenden Fahrgäste hätten der Frau geholfen.

Präsident Chirac äußerte sich entsetzt über diesen “fürchterlichen Angriff” und forderte eine strenge Bestrafung der Täter. Der “republikanische Aufschrei” gegen den Antisemitismus hatte nur einen Schönheitsfehler: die junge Französin erfand den Überfall, um die ihr fehlende soziale Anerkennung zu erlangen. Sie wurde mitlerweile zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Realität in Frankreich
Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres gab es in Frankreich 510 sogenannte “antijüdische Taten”, im gesamten Jahr 2003 wurden 593 derartige Fehlleistungen registriert.

Im Juni wurde ein junger Jude von einem Unbekannten attackiert und schwer verletzt. Er kam gerade aus einer jüdischen Schule bei Paris, als ihm vom Täter mit den Worten “Allah ist gross” ein Messer in die Brust gerammt wurde. Während der Jugendliche in die Intensivstation eingeliefert werden musste, konnte der Täter unerkannt entkommen. Auch damals war in Frankreich Empörung über die Schandtat laut geworden. Diese Aufbereitung der Stimmungs-Atmosphäre machte es der 23-jährigen vermutlich leichter, die Öffentlichkeit zu belügen und könnte in ihr die Hoffnung auf Anteilnahme geweckt haben.

“Gott” in Frankreich
Jaques Chirac, der französische Präsident in seiner zweiten Amtszeit, ist ein politischer Überlebenskünstler, der mit allen Wassern gewaschen ist. Im letzten Präsidentschaftswahlkampf im Jahre 2002 ging es aber nicht nur um sein politisches Überleben.

Nachdem im ersten Wahlgang der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen den sozialistischen Bewerber Jospin aus dem Rennen warf, stand er vor der heiklen Aufgabe, sein Land vor einer noch größeren Blamage zu bewahren. Er, der federführend an den Sanktionen der EU-14 gegen die FP-ÖVP-Koalition in Österreich beteiligt war, konnte einen Triumph der extremen Rechten in seiner Heimat am allerwenigsten gebrauchen. Le Pen musste in dieser Stichwahl erfahren, wer “Gott” in Frankreich ist – Chirac erreichte ein überweltigendes Votum.

Ins Wespennest gestochen
Seither will für Chirac keine rechte Feiertagsstimmung mehr aufkommen. Obwohl die folgende Parlamentswahl einen Sieg seiner Farben davonbrachte, häuften sich die Probleme: Budgetlöcher, Ungemach mit den USA wegen des Irak-Krieges, drastisch verlorene Regionalwahlen der Konservativen…

Hier beweist Sharon wieder einmal besonderes Fingerspitzengefühl, indem er einen wunden Punkt anrührt. Sein Aufruf, französische Juden mögen das Land sofort in Richtung Israel verlassen, macht ihn nach Chirac “zur unerwünschten Person” in Frankreich. Ob das als Antisemitismus zu gelten hat, vermag ich nicht zu beurteilen! ;-)
(c) Viennawolf 28. 07. 2004

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