Hans A. Pestalozzi

H A P (1929 – 2004)
“Ich glaube nicht, dass man so allein ist, wie man in dieser Gesellschaft allein ist, wenn man sein Leben selber gestalten will. In dem Moment, wo ich vom Konsens ausgehe, wo ich nicht mehr den Anderen fertig machen muss, dass ich wer bin in der Gesellschaft, da bin ich bestimmt nicht mehr so einsam, wie ich einsam bin in dieser Gesellschaft.”

“Mein Wert als Mensch ist nicht davon abhängig, ob ich jetzt den Wettlauf als Kind gegen ein anderes Kind gewinne. Im Wettlauf des Lebens, dem Kapitalismus in dieser Gesellschaft, ist der Wert meines Lebens davon abhängig, ob ich den Anderen fertig gemacht habe.”

Dressurschritte
“Die Dressur geht ja davon aus: Wie breche ich den Willen eines Menschen, ohne dass er es merkt. Nur so ist es erklärbar, dass Abermillionen von Menschen, kaum sind sie sogenannte Erwachsene, kaum glauben sie über ihr Leben selbst bestimmen zu können, sich in Uniformen pressen lassen.”

“Uniformen sind Symbole dafür, dass man seine Individualität, seine Eigenständigkeit vollständig aufgibt. Wie kämen diese Leute dazu, sich beliebeig rumkommandieren zu lassen, wirklich wie dressierte Affen in Kolonne herum zu marschieren, stramm zu stehen… Wie kämen diese Menschen dazu, ohne Widerstand und womöglich mit Begeisterung für ein imaginäres Vaterland zum Mörder zu werden.”

Prinzip Macht
“Militär steht für unsere Gesellschaft ganz allgemein. Sie können die militärischen Prinzipien ohne weiteres auch wirtschaftliche Prinzipien nennen. Ein Wirtschaftssystem, in dem ich ständig gegen den Anderen kämpfen muss, wo ich den Anderen ständig übertrumpfen muss, den Anderen fertig machen muss – ein System das auf Konkurrenz und Karriere aufgebaut ist, das ist eben in sich gewaltsam, in sich zerstörerisch, in sich hierarchisch, aggressiv, hart, rücksichtslos, brutal.”

“Sie können die genannten militärischen und wirtschaftlichen Prinzipien ohne weiteres auch gesellschaftliche Prinzipien nennen. Gesellschaften, die auf Hierarchie und dem Patriachat aufgebaut sind, beruhen auf dem Prinzip Macht.”

Prinzip Liebe
“Ich muss bereit sein, mich der Pflicht zu verweigern. Alle großen Verbrechen geschehen unter der Berufung auf die Pflichterfüllung. Ich muss bereit sein, mich der Pflicht zu verweigern, um Verantwortung übernehmen zu können. Ich muss bereit sein, mich dem Gesetz zu verweigern, um zur freien Vereinbarung zu kommen. Das eine ist das Prinzip Liebe, das andere ist das Prinzip Macht.”

“Es ist diese Gesellschaft, die in sich chaotisch ist. Diese Gesellschaft braucht immer mehr Militär, immer mehr Polizei, immer mehr Gesetze, immer mehr Überwachung, immer mehr Kontrollen, immer mehr Computer. Das heisst doch nichts anderes, als dass wir da freiwillig gar nicht mehr mitmachen.”

Sich dem System verweigern
“Wenn ich feststelle, dass ein System nicht veränderbar ist, dass nur abgeschafft werden kann wie im Osten, und dass Systeme immer wieder durch andere Systeme ersetzt werden, was gibt es denn für eine andere Möglichkeit als zu sagen: Das System kann ich nicht ändern, das ist so verdammt stark mit seinen Hierarchien.”

“Dann entziehe ich mich wenigstens selber dem System, gebe das System meinen Kindern nicht weiter, dass die Kinder nicht sagen: ‘Ich muss so schnell wie möglich möglichst viel Geld verdienen, und das erlaubt mir dann die Lebensgestaltung”, sondern, “wie wenig muss ich eigentlich verdienen, um vernünftig leben zu können.”

Kapitalismus muss verschwinden
“Wer weiss, was morgen los ist? Das lässt sich ja nicht auf die Dauer unterdrücken. Dieses Bedürfnis des Menschen, sein Leben selber zu gestalten. Die Menschen sehen ja, was bei uns abläuft, dass es schief läuft – irgendwann kommt es zum Ausbruch. Was zu erst kommt: der Ausbruch beim Menschen, oder die Katastrophe in der Gesellschaft, das weiss kein Mensch, das wissen wir alle nicht. Die Katastrophe kannn morgen schon kommen.”

“Die Katastrophe kann der Auslöser sein, dass der Mensch merkt: Ich muss mich von dem System unabhängig machen. Das System an sich muss verschwinden, der Kapitalismus muss verschwinden. Das geht nur, indem sich der Mensch dem Kapitalismus entzieht.”
(c) Viennawolf 08. 09. 2004

Links:

Aufruff zur Rebellion

Gedenksendung

Robert Jungk im Gespräch mit Hans A. Pestalozzi

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