Migration für Verlierer

Betroffenheit
Flüchtlinge sind Menschen, die oft alles verloren haben, was für uns selbstverständlich ist: ihr Zuhause, ihre Angehörigen, ihren Besitz, ihre Arbeit, ihre Rechte, ihre Freiheit. Sie sind daher besonders auf den Schutz der Menschenrechte und Unterstützung durch eine Aufnahmegesellschaft angewiesen. Auch meine Großeltern und mein Vater kamen, als Nachwehen des Zweiten Weltkrieges, 1955 als Flüchtlinge nach Österreich und wurden zum Glück mit offenen Armen aufgenommen.

Ich habe das Privileg in einem Land leben zu können, in dem die Menschenrechte großteils verwirklicht sind und mir ein Leben in Angst erspart bleibt, aber: Es gibt keine Garantie in alle Ewigkeit, die Geschichte Europas ist ein warnendes Beispiel!

Asyl verflüchtigt sich
Die Aufnahme und der Schutz von Flüchtlingen wurde in der jüngsten Vergangenheit von den Ländern der EU immer mehr eingeschränkt. Der Begriff der Solidarität wird umgedeutet: Die Verantwortung für die Aufnahme von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union zu teilen oder außerhalb der EU abzuschieben. In den Vordergrund Rücken die Argumente der Kosten für den Unterhalt, die Betreuung, für die Administration der Asylverfahren.

Zusätzlich wird die Einreise von Flüchtlingen als Bedrohung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wahrgenommen. Das “Theater” um die Betreuung der Flüchtlinge bzw. deren Aufteilung auf die Bundesländer in Österreich bedarf keiner weiteren Kommentierung.

Demographische Fakten
Unsere Bevölkerung altert, und es fehlen in manchen Bereichen schon heute die Arbeitskräfte. Europa ist ein Einwanderungskontinent mit fallenden Geburtenraten, steigender Lebenserwartung und demografisch alternder Bevölkerung. Glaubt man den Prognosen, dann liegt im Jahr 2050 das Durchschnittsalter in den Vereinigten Staaten bei 35,2 Jahren, in Europa dagegen bei 57,2 Jahren.

Daraus resultieren gravierende Zukunftsprobleme, zu deren Lösung Europa auf eine geregelte und aktiv gestaltete Einwanderung angewiesen ist. Wir führen nicht grundlos seit Jahrzehnten eine Finanzierungsdebatte unseres Sozialstaates!

Neue Arbeitskräfte
Einwanderungspolitik ist zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor im 21. Jahrhundert geworden. Die wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandorte der Zukunft werden sich, auch wenn das bei der derzeitigen Arbeitsmarkartlage unlogisch erscheint, ganz entscheidend über ihre Attraktivität für Arbeitskräfte definieren.

Zuwanderung und Asyl – die ökonomische und die humanitäre Seite der Migration – dürfen weder allein wirtschaftlich noch rein idealistisch gesehen werden. Beide Formen des Zuzugs bedeuten sowohl Bereicherung und Chance für das Gastland, als auch eine soziale und kulturelle Herausforderung. Deshalb bedarf Integration auch der Vorbereitung der aufnehmenden Gesellschaft. Migrations- und Integrationspolitik muss mehr sein als Quotenrechnen!

EU verschläft Entwicklung
Die Mehrheit der europäischen Staaten konzentriert sich gegenwärtig jedoch immer noch stärker auf die Abschottung ihrer Arbeitsmärkte anstatt auf ihre Öffnung. Die Erweiterung der EU hat diesen Trend sogar noch einmal verstärkt.

Dieser Tage macht unserer neuer Bundespräsident seinen “Antrittsbesuch” bei unseren ungarischen Nachbarn. Ich bin gespannt, wie er unseren Freunden erklären wird, dass Österreich für die Abschottung seines Arbeitsmarktes gegenüber den “Neuen” die längstmögliche Spanne gewählt hat. Für mich persönlich ist das eine abgrundtiefe Schande! Ein primitiver Abwehrinstinkt hat triumphiert und Nachbarn, persönliche Freunde wissen bescheid!

Migrationspolitik von Loosern für Verlierer
Flüchtlingspolitik sollte eigentlich Schutz für verfolgte Menschen und nicht Schutz vor verfolgten Menschen sein. In Österreich ist man sich da nicht so sicher. Ich kann unsere Migrationspolitik nur als ein einziges Desaster bezeichnen. Jede Veränderung der Gesellschaft – Zuwanderung ist nichts anderes -, wird als Bedrohung betrachtet. Konstruktive Gedanken, die in Konzepten münden könnten, fehlen völlig.

Ich habe das Gefühl, unserer Politik sind die Führungspersönlichkeiten abhanden gekommen: Es gibt nur noch Manager! Politik die sie betreiben, ist getragen von einer Loosermentalität. Tragisch, dass davon Flüchtlinge als größte Verlierer am stärksten davon betroffen sind!
(c) Viennawolf 07. 07. 2004

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