Pazifismus und Realität

Das Wort „Pazifismus” wurde zuerst 1901 von E. Arnaud in der Tageszeitung „Indépendance Belge” gebraucht. Als Pazifisten sollten die Anhänger der Friedensbewegung bezeichnet werden, die mit individuellen und kollektiven Mitteln für friedliche zwischenstaatliche Konfliktaustragung eintreten, mit dem Ziel einer auf Recht gegründeten Völker- und Staatengemeinschaft.

„Ich kann nicht beim Verhalten oder nur bei der Vorstellung, wie es anders sein könnte, ansetzen und dann glauben, die Einstellung zum Mitmenschen und zur Umwelt verändere sich. Nein, die Einstellung, das Bewusstsein muss sich ändern, und dazu braucht es persönliche Betroffenheit – und daraus ergibt sich das veränderte Verhalten”, stellte bereits vor 15 Jahren der Schweizer Gesellschaftskritiker Hans A. Pestalozzi fest.

Aber in wie weit ist in der Realität mit einer Zähmung der Spezies Mensch zu rechnen? Um Macht ausüben zu können bedarf es Mittel, um den eigenen Willen durchsetzen zu können. Es ist nicht zu erwarten, dass sich die jeweiligen Machthaber freiwillig von selbst von ihrer Position zurückziehen werden. Außerdem gilt es zu bedenken, dass fast alle Teilnehmer an Friedenskundgebungen Teil dieser Macht sind – einfach als Teil unserer Konsumgesellschaft.

Auf Macht verzichten bedeutet also, auch auf die lieb gewonnenen Vorteile eines Systems zu verzichten, in dem 80 Prozent der Ressourcen von 20 Prozent der Weltbevölkerung genutzt werden. Ein Vorschlag zur Änderung des Lebensstils von Gunnar Gressl, einem der Organisatoren der Antikriegsdemonstrationen im Jahre 2003 in Klagenfurt: „Die Menschen sollen ihre Prioritäten anders setzen und zum Beispiel für ihr Essen das ausgeben, was es wirklich wert ist.”

Die Aussichten sind trüb, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Am Ende gewinnt immer der „Homo ökonomikus”. Es wäre schon ein Fortschritt, wenn die Leute für den Frieden auf die Straße gehen würden, wenn es unpopulär ist. Eine Gelegenheit, um der Sache willen aufzubegehren, wäre beim NATO-Bombardement Serbiens gewesen. Die Gerechtigkeit ist hier nur eine Tochter der Literatur.

(c) Viennawolf 23. 03. 2003 (erschienen in der „Kärntner KirchenZeitung”)

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