Ralph Nader

Nicht nur zwei Parteien
Wir Europäer verstehen ja von der amerikanischen Politik nicht viel. Hierzulande glauben die meisten, in den USA gebe es nur zwei Parteien: Republikaner und Demokraten. Gelegentlich finden bei den Präsidentenwahlen auch Berichte über andere Kandidaten in unsere Medien, aber immer angepasst an unser Weltbild.

2000 wurde die Wahl angeblich durch das Antreten von Ralph Nader entschieden, da er angeblich Al Gore in den Staaten mit knappen Ergebnissen zwischen Bush und Gore dem Demokraten die entscheidenden Stimmen weggenommen hat. Verschwiegen wird dabei, dass die sogenannten “Third Parties” gegen die Privilegien der Großen im defacto Zwei-Parteien-System ankämpfen.

Die Antiquiertheit des Menschen
Das Wahlrecht der USA stammt aus den Frühzeiten der Union. Da die Puritaner den Sonntag für heilig hielten und der Montag von vielen als Anreisetag zu den oft entlegenen Wahllokalen diente, ist traditionell der Dienstag Wahltag. Aus dem selben Grund kennt das US-Wahlsystem auch keine Stichwahl, da man den Wählern die Reisestrapazen nicht zweimal zumuten wollte.

Heute wäre es kein Problem mehr ein zweistufiges Wahlsystem einzuführen, doch die beiden Großparteien Republikaner und Demokraten haben aus Gründen des Machterhalts etwas gegen eine Veränderung. Die geringe Wahlbeteiligung lässt somit auch damit begründen, das alternative Interessenvertretungen bzw. neue Parteien seit über 140 Jahren im US-System keinen Platz finden.

Wahlalternative als Prinzip
Der Verbraucherschützer, Aktivist und Buchautor Ralph Nader kandi-diert heuer nach 1996 (0,7 Prozent) und 2000 (2,7 Prozent) zum dritten Mal zu den Präsidentschaftswahlen. Wie sich seine Kandi-datur auf den Wettstreit zwischen Republikanern und Demokraten auswirkt, ist dem mittlerweile 70-jährigen aus Prinzip egal.

Als die Demokraten versuchten, ihn von einer neuerlichen Kandidatur abzuhalten um im Kampf gegen Bush die oppositionellen Kräfte zu bündeln, ignorierte er sämtliche Vermittlungsversuche und liess sich auch im Mai nicht vom designierten Kandidaten der Demokraten John F. Kerry umstimmen. Nader ist sich bewusst, dass er praktisch keine Chance hat, der nächste Präsident der vereinigten Staaten zu werden, aber er möchte das System verändern.

Systemkritiker
Er sei gerne ein Spielverderber des Zwei-Parteiensystems, lässt Nader immer wieder ausrichten. Offensichtlich ist er fähig, die Schwächen des Kapitalismus zu erkennen und baut darauf, die Missbräuche und Ungerechtigkeiten einer ansonsten funktionstüchtigen Wirtschafts- und Sozialordnung auf Grundlage gerechterer Ideen abzustellen. Nader sagt, dass Demokraten und Republikaner dem großen Geld gleichermaßen hörig seien. Sein erklärtes Ziel sei es, den Bürgern die politische Macht zurückzugeben.

Den umstrittene Wahlausgang 2000 deute ich auch als Zeichen einer sich anbahnenden Krise des amerikanischen Wahlsystems, aus dem Nader (noch) kein Kapital schlagen konnte. Wie wird es 2004?
10 Forderungen – Wahlprogramm
* Öffentliche Wahlkampffinanzierung
* Eine Krankenversicherung für alle
* Löhne, von denen man leben kann
* Scharfe Gesetze gegen Wirtschaftskriminelle
* Reform des Justizsystems
* Schluss mit der massiven Verschwendung von Geld im militärisch-industriellen Komplex und durch Subventionen an die Großindustrie
* Nachhaltige Wirtschaft mit umweltfreundlichen Techniken zum Schutz unserer Biosphäre
* Bündnis mit der “3. Welt” zur Bekämpfung von Hunger und Armut
* Wege aus der agroindustriellen-gentechnischen Lebensmittelproduktion
* Eine international abgestimmte Außenpolitik

Biographische Daten
1934: am 24. Feber in Winsted, Connecticut als Sohn libanesischer Einwanderer geboren
1955: Bachelor of Arts in Princeton
1958: Bachelor of Law in Harvard
seit 1959: Anwalt in Hartford
1961-63: Vorlesungen an der University of Hartford
1965: Veröffentlichung seines Buch “Unsafe at Any Speed” – er wies nach, dass viele US-amerikanische Automobile strukturelle Schwächen aufweisen
1967/68: Vorlesungen an der University of Princeton
1971: Gründung der Initiative Public Citizen – Oragnisation zur Durchsetzung von Verbraucherinteressen
(c) Viennawolf 01. 09. 2004

Links:

Nader for President

Ralph Nader

The Dark Side

In The Public Interest

Conservatively Speaking

Don’t vote Ralph

New York Times

Biographie

Public Citizen

Green Parties worldwide

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