Teil X: Sterben wir aus?

Der Ausgangsgedanke für diese Serie für mich war, ob unsere Gesellschaft nicht im Eifer des Gefechtes kontraproduktiv arbeitet. Man muss sich das einmal vorstellen: Wir steigern Jahr für Jahr unsere Produktivität und können dadurch mit weniger menschlichen Arbeitskräften immer mehr produzieren. Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können müssen wir unsere eigene Familie vernachlässigen, oder einfacher ausgedrückt auf unsere Reproduktion verzichten. Es rechnet sich nicht, eine Familie zu haben, und da Geld unsere Ersatzreligion ist, ordnen wir ihr alles unter. Wenn wir das Pech haben, nicht im Wirtschafts- und Geldkreislauf der Gesellschaft integriert zu sein, können wir so wie so nicht an den Aufbau einer eigenen Familie denken, obwohl wir mehr als genug Zeit dazu hätten.

Aus Sicht der Menschen ist also das, was wir in den westlichen Industriegesellschaften tun eher fragwürdig. Dem Wirtschaftssystem kann es aber egal sein, woher die Menschen kommen, Hauptsache, es wird weiter rationalisiert und verbessert. Wenn wir Menschen als Teil dieses Systems etwas anderes wollen: Es liegt in unserer Macht, sich anders zu organisieren.

Der ganze Prozess der Individualisierung und dem Streben nach dem maximalen Glück führt zur Vereinsamung eines immer größer werdenden Teils der Bevölkerung. Wir werden nicht nur immer älter, und das im Bewusstsein, auszusterben. Logisch, dass dies nicht immer sehr lustig sein kann. Gerade alte Menschen sind auf die Hilfe Anderer angewiesen, was allerdings schwierig ist, wenn man keine Nachkommen hat, oder wenn sich mit dem Geld auch die so genannten Freunde verabschiedet haben. Wie soll man in einer Leistungsgesellschaft, die noch dazu dem Jugendwahn verfallen ist, lernen nutzlos zu werden?

Es wird sehr viele Einwanderer geben müssen, das ist klar. Nur wie soll unser Land das verkraften, wenn es in unserem südlichsten Bundesland schon nahezu unmöglich ist, ein paar zweisprachige Ortstafeln aufzustellen? Auf der eine Seite ist das Rationalisierungspotential in unserer Wirtschaft noch nicht ausgeschöpft und es ist noch mit zehntausenden Entlassungen zu rechnen, und auf der anderen Seite bricht unser Sozial- und Gesundheitssystem zusammen, da es nicht mehr finanziert werden kann. Eigentlich müsste das ganze ja ein Widerspruch sein, Einwanderer und Arbeitslose! Nur diese Rechnung geht sowieso nie auf, da man zwischen qualifizierten und gutbezahlten, und schlechtbezahlten Jobs, die keine spezielle Ausbildung erfordern, unterscheiden muss. Auf die sozialen Spannungen können wir uns schon freuen!

Wir können uns damit trösten, dass (düstere) Prognose nicht eintreffen müssen, da die soziale Wirklichkeit etwas komplizierter ist, als die Rechenmodelle der Sozialwissenschafter. Unvorhersagbare Ereignisse, wie etwa das „Zerbröseln” des kommunistischen Systems Ende der 80er Jahre und dessen Folgen können selbst in den penibelsten Vorhersagen keine Berücksichtigung finden. Auf Veränderungen müssen wir hoffen: in unserer Lebensphilosophie, in der Politik, usw. Möglichkeiten gebe es genug!

(c) Viennawolf 11.05.2005

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