Was geht uns das an?

Bürgerkrieg im Sudan
Während sich die Situation im Süden des Sudans nach jahrzehnte langem Bürgerkrieg durch das Autonomieabkommen vom Mai 2004 allmählich zu beruhigen scheint, eskaliert ein weiterer kriegerischer Konflikt zwischen “arabischen” Nomaden und “afrikanischen” Bauern im Westen des Landes.

Mehr als eine Million Menschen sind im Sudan schon vor den mordenden, plündernden und vergewaltigenden arabischen Reitermilizen geflohen, mehr als 10 000 verloren bislang ihr Leben. Ein Ende der humanitären Katastrophe in dem ostafrikanischen Land ist nicht abzusehen. Völkermord unter den Augen der internationalen Gemein-schaft gehört leider zur Geschichte der Vereinten Nationen, auf einen Fortschritt der Menschheit warten wir noch!
Völkermord
Als Völkermord (Genozid) bezeichnet man die systematische und geplante Auslöschung einer bestimmten Menschengruppe, eines Volkes oder einer Volksgruppe. Der Begriff “Genozid” wurde von dem polnischen Anwalt Raphael Lemkin 1943 geprägt und für einen Gesetzesentwurf zur Bestrafung der Nazi-Verbrechen erstmalig verwendet.

Am 9. Dezember 1948 beschloss die Generalversammlung der UNO in der Resolution 260 die “Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide”, die am 12. Januar 1951 in Kraft trat. Die Völkermord-Konvention setzte in den Nürnberger Prozessen neue Standards im Völkerrecht.
Porträt von Sudan
Die Republik Sudan liegt in Nordost-Arika am Roten Meer und grenzt an Ägypten, Libyen, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Äthiopien und Eritrea. Sudan hat über 37 Millionen Einwohner und ist mit einer Fläche von 2.505.810 Quadratkilometern das größte Land Afrikas.

Die Geschichte des Sudan reicht bis in die Zeit der Pharaonen zurück. Nach der Christianisierung im sechsten Jahrhundert wurde Sudan zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhunder islamisiert. 1821 fällt Sudan unter ägyptische Herrschaft. Nach dem Rückzug Frankreichs wird Sudan anglo-ägyptisches Kondominium und bleibt de facto bis 1953 brittische Kolonie. Seit 1956 ist man eine unabhängige Republik und über die längste Zeit eine Militärdiktatur.
Araber gegen Afrikaner
Die Auseinandersetzungen in den drei Provinzen der Darfur-Region haben zu einer der schlimmsten humanitären Katastophen zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts geführt. Die unter dem Namen „Janjawid“ bekannten Milizen, die sich aus Angehörigen arabischstämmiger Nomaden zusammensetzen und die Unterstützung der Regierung genießen, haben in den ländlichen Gebieten von Darfur Tausende von Menschen getötet.

Die Regierung versucht gegenwärtig, Binnenflüchtlinge zur Rückkehr in ihre Dörfer zu zwingen, um so einen Vorwand für einen Abzug der zahlreichen humanitären Hilfsorganisationen aus den Flüchtlingslagern in Darfur zu haben und so eine genaue Prüfung der dortigen Menschenrechtslage durch internationale Beobachter zu.
Vergessene Kriege
Weltweit nimmt die Anzahl der Konflikte zu, wobei die meisten Kriege nicht mehr zwischen Staaten geführt werden, sondern innerhalb eines Staates zwischen Rebellengruppen und der Regierung Konflikte eskalieren. Da die Hintergründe dieser Konflikte viel zu Komplex sind um in den wenigen Sekunden einer Nachrichtensendung untergebracht und von Zusehern verstanden zu werden, finden sie meistens im Abseits der Weltöffentlichkeit statt.

Aufrufe von Menschenrechtsorganisationen stoßen deshalb nur auf geringe Ressonanz. Konflikte der eben beschriebenen Art finden man zum Beispiel in folgenden Ländern: Burundi, Kolumbien, Myanmar, Nepal, Tschetschenien und Uganda.
Unterschiedliche Maßstäbe
In einem alten Film mit Pierre Richard als Fotoreporter qualifiziert der Chefredakteur seiner Zeitung Meldungen über Bombardments als unintressant ab, da es keinen Unterschied mache, ob nun Dörfer oder eine Stadt bombartiert werde. “Der Eskimo in Alaska lässt uns kalt”, heißt es so schön.

Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Geschichte niemals wiederholen darf. Ist es nicht eigenartig, dass wir emotional nur von Ereignissen wie den Irak-Krieg angegriffen werden, wenn wir direkte Aus-wirkungen (Benzinpreise, etc.) auf unser Leben befürchten. Auf der anderen Seite scheint unser Gewissen zu versagen.
(c) Viennawolf 11. 08. 2004

Links:

Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes

Völkermord an den Armeniern

Sudan News

allAfrika

Sudan im Internet

Afrika im Internet

Radio Afrika International

Österreichische Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe

Afrikanische Kultur und Küche

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