Arbeitslosigkeit

Einkommen ist an eine Beschäftigung, einen Arbeitsplatz gebunden. Wer keine hat, verliert den Anspruch auf Einkommen.

Arbeitslos – ein hartes Los
18 Millionen Menschen sind in der Europäischen Union offiziell als arbeitslos gemeldet, dazu kommt die sogenannte stille Reserve: Frühpensionisten, Sozialhilfeempfänger, Kurzarbeiter, geringfügig Beschäftigte,… Dies ist ein soziales Problem ersten Ranges, das tendenziell zur Spaltung einer Gesellschaft führen kann.

Ist es nicht eigenartig, das in den vergangenen Jahren Rezepte zur Lösung angeboten wurden, die einander widersprechen: Verlängerung und Verkürzung von Arbeitszeit und Urlaub, Herauf- und Herabsetzung des Pensionsalter, mehr Staat durch öffentliche Beschäftigungsprogramme und weniger Staat, etc. Alle diese entgegenstehenden Vorschläge können begründet werden (Bsp. Pension: Entlastung der Arbeitslosen- bzw. der Pensionsversicherung).

Integrationsfaktor Arbeit
In den Industrienationen regelt Erwerbsarbeit nahezu alles: es wird nicht nur die Stellung innerhalb der Gesellschaft geregelt, sondern ebenso Einkommen, Selbstwertgefühl, soziale Kontakte, Freizeitgestaltung und die Teilnahme an der Alters- und Krankenversicherung.

Einkommen ist an eine Beschäftigung, einen Arbeitsplatz gebunden. Wer keine hat, verliert den Anspruch auf Einkommen. In jedem Fall führt ein durch Arbeitslosigkeit verschuldetes geringeres Einkommen zu Einschränkungen im monatlichen Haushaltbudget. Das hat mit steigender Dauer immer schwerwiegendere Folgen, umso mehr, wenn die Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung immer geringer werden.

“Rationalisierung” der Industriegesellschaft
Der Industriegesellschaft geht allmählich die Arbeit im industriellen Fertigungsprozess aus. Die menschliche Arbeitskraft wird durch von ihr selbst geschaffenen Mechanismen verdrängt. Wachsende Versorgung mit Gütern und Diensten bedeutet nicht mehr automatisch eine wachsende Zahl von Arbeitsplätzen.

Die durch Rationalisierung in der Industrie freigesetzten Arbeitskräfte können nur zum Teil im Dienstleistungssektor beschäftigt werden. Bei Umbrüchen in der Gesellschaft wird es immer eine höhere Zahl von Arbeitslosen geben. Politik darf dann nicht länger reines Managment sein, sondern muss alles daran setzen, diesen Wandlungsprozess für das Gemeinwohl schadlos zu gestalten – als abschreckendes Beispiel dient die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges!

Für die Gesellschaft wertvoll
In unserer Gesellschaft gibt es eine Fülle von Aufgaben, die nicht zur Erwerbsarbeit gezählt werden. Wo es Menschen gibt, ist auch ein Bedarf vorhanden. Der Bedarf erstreckt sich weniger auf Güter, als auf Dienste, beispielsweise im Kultur-, Umwelt-, Bildungs- oder im Sozialbereich.

Die oben genannten Leistungen sind noch nicht “marktfähig”, können sich nicht selbst erhalten und müssen daher subventioniert werden. Langfristig betrachtet kann es sich hier sehr wohl um fruchtbringende Investitionen in Zukunft handeln. Heute scheint es für Politiker jedoch noch leichter zu sein, teures “Kriegsspielzeug” mit dem Hinweis auf schwer nachvollziehbare “Gegengeschäfte” zu begründen, als auf innovative Initiativen zu setzen.

Ich-AG und Schnäppchenjäger
In letzter Zeit kommen Subventionen für eine Unternehmensgründung bzw. für die Person eines Unternehmensgründers in Mode, dessen radikalste Form die so genannte “Ich-AG” darstellt. Wenn die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht passen, können auch die schönsten Wortkreationen nicht über die Hilflosigkeit der “Erfinder” hinwegtäuschen.

“Schnäppchenjagd” wird dann zum Schuss ins eigene Knie, wenn man dabei ein Produkt erwirbt, das mit niedrigen Lohn- und Sozialkosten erzeugt wurde. In österreichischen und deutschen Produkten sind im Preis die Lohnnebenkosten von +40 Prozent enthalten. Arbeitsplatzverlagerung wird auf diese Weise vom Konsumenten “prämiert”.

Die Art der Finanzierung
Durch den derzeitigen Modus für die Finanzierung der Kosten der Arbeitslosigkeit entstehen nicht nur enorme wirtschaftliche Probleme, sondern es tun sich auch Fragen nach der Finanzierungsgerechtigkeit auf.

Dass die Erwerbsarbeit die Basis der Finanzierung unseres Sozialstaates mit Pensions-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung ist, kann man beinahe schon als Anachronismus bezeichnen. In der Debatte über die Finanzierung des Wohlfahrtsstaates muss daher dieses Prinzip gründlich hinterfragt, und nach neuen Lösungsmodellen Ausschau gehalten werden. Noch ist die Politik nicht dazu bereit über ihren Schatten zu springen.
(c) Viennawolf 29. 07. 2004

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