Blamage

Wer es nicht selbst gesehen oder gehört hat, kann es in den verschiedenen Tageszeitungen nachlesen: Österreich hätte sich wieder einmal blamiert. Ein Land, dessen größte Stadt sich selbst als Hauptstadt der Musik sieht, macht im Musik-Showgeschäft eine traurige Figur. Soll man sich darüber ärgern?

Im Falle des Scheiterns eines solchen Unterfangens wird die Lächerlichkeit der Aufgeblähtheit einer marktschreierischen Verstellung nur umso deutlicher ersichtlich, da nun alles umsonst war. Die eigene Glaubwürdigkeit wurde verspielt, für nichts. Das überzeichnende, seine persönliche Integrität aufgebende übertriebene Anbiedern an die vermeintlichen Anforderungen des Marktes, eine Maske, deren Täuschung für jeden ersichtlich ist, wird schonungslos bloßgestellt. Die Gewinner solcher Veranstaltungen unterscheiden sich von den Anderen nur in Nuancen. Da sie ihr Ziel jedoch erreichten, ist ihr Verhalten legitimiert. Das mehr Schein als Sein ist hier nicht so offensichtlich.

Das Ausredenfinden kennen wir, es ist wie nach einer verlorenen Wahl, nur eine rhetorische Pflichtübung. Die Felle schwimmen davon, die Hauptdarsteller werden zu Statisten; nichts wird aus der „Traumkarriere in Hollywood”. Die Ideale, die man eventuell verraten hat, sind verloren gegangen, für nichts.

In einer Gesellschaft, die vorwiegend aus Konsum besteht – und wer nicht konsumiert, der ist auch nicht, und wer nicht konsumiert wird, noch weniger -, ist der Verlust oder die Nichterlangung eines Siegerimage zwecks Verkaufsförderung eine blöde Geschichte. Warum sollte ich also Mitgefühl zeigen? Ist doch das Beste, was passieren konnte, oder?

(c) Viennawolf. 20.05.2005

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