Das Finale

 

 


“Bei der Wiederaufnahme war das innere Befinden der beiden Spieler augenfällig. In Haffners fahlem Gesicht zuckte es unablässig. Er rauchte zwei Zigarren gleichzeitig, ohne es zu merken. Ab und zu fuhr er sich mit dem Handrücken über die Stirn. Dabei versengte er sich das Haar. Er vermied es, seinen Gegner anzusehen.

Wenn Lasker am Brett saß und nicht am Zug war, starrte er Haffner an. Der Weltmeister wirkte ausgeruht. Er sog mit Genuss an seiner Zigarre und verbrauchte für seine Züge wenig Zeit. Er ging im Saal umher, seine Augen blitzten. Entspannt plauderte er mit Freunden.

Jeder Meister im Haus wusste, dass die Partie entschieden war. Man dachte mit Mitleid an Haffner, der auf dem Podest einsam nach einem Ausweg suchte, dem es nicht gab. Einzig Hummel lächelte sauer und sagte: “Zäher und geschickter verteidigt sich niemand auf der Welt. Warten Sie ab. Haffner hat schon ganz andere Stellungen gehalten.

“Nach sechzig Zügen war die Lage so aussichtslos, dass Carl überlegte aufzugeben. “Verliere ich eben”, dachte er. “Hauptsache, Lina liebt mich.”

Die goldene Uhr fiel ihm ein. Er raffte sich noch einmal auf. Doch welche Kniffe er anwandte, Lasker verfolgte den richtigen Plan unerbittlich. Am dritten Tag der zehnten Partie spielte der Weltmeister endlich weltmeisterlich. Nicht die geringste Gegenchance ließ er dem Österreicher.

Die letzten Züge führte Carl nur noch aus, um sich innerlich auf die Niederlage einzustellen. Er dachte an gemütliche Tarockrunden, an Zeitungslesen im Kaffeehaus, an Spaziergänge, an sein behagliches Leben ohne die Last des Weltmeistertitels. Er erinnerte sich des Lavendelduftes in Linas Wohnung, der gemeinsamen Jausen, der Klavierkonzerte. Er hatte ja Lina, er brauchte gar keine Weltmeisterschaft.” (G)

61.Te5 Dg2+ 62.Te2 Dg4 63.Td2 Da4 64.Df5+ Kc7

“With the 64th move the Queen takes possession of the e6 square where she stands well both offensively and defensively. In this moment Schlechter saw that further resistance was meaningless. He acquiesced in the exchange of Queens and shortly afterward gave up the hopeless game.” (Lasker, zitiert in: Warren Goldman: Carl Schlechter! Life and Times of the Austrian Chess Wizard. Yorklyn 1994)

“An oversight, I suppose. Had not Schlechter allowed Lasker to exchange Queens, the doctor would have had a merry time in forcing a win.” (José Raoul Capablanca, zitiert in: Warren Goldman: Carl Schlechter!)

[64. Df5+ Kd8 65. De6 Dc6 66. Te2 Dc7 67. Dg8+ Kd7 68. Dd5+-]

65.Dc2+ Dxc2+ 66.Txc2+ Kb6 67.Te2 Sc8 68.Kb3 Kc6 69.Tc2+ Kb7 70.Kb4 Sa7 71.Kc5 1–0

(c) Ewald Schreiber 2006

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