Definition des Begriffes „Künstliche Intelligenz”

Bevor man versucht den Begriff „Künstliche Intelligenz” zu erklären, ist es notwendig zu wissen, was man unter Intelligenz versteht:

„Intelligenz ist im allgemeinen Verständnis die übergeordnete Fähigkeit (bzw. eine Gruppe von Fähigkeiten), die sich in der Erfassung und Herstellung anschaulicher und abstrakter Beziehungen äußert, dadurch die Bewältigung neuartiger Situationen durch problemlösendes Verhalten ermöglicht und somit Versuch-und-Irrtums-Verhalten und Lernen an Erfolgen, die sich zufällig einstellen, entbehrlich macht.

Ein in der Psychologie häufig verwendetes Intelligenzmodell umfasst folgende (als Primärfähigkeiten bezeichnete) Intelligenzfaktoren: sprachliches Verständnis, Assoziationsflüssigkeit, Rechengewandtheit, räumliches Denken, Gedächtnis, Auffassungsgeschwindigkeit und schlussfolgerndes Denken.

Die Intelligenzentwicklung wird durch eine Wechselwirkung von Erbanlagen und Umweltbedingungen bestimmt, die durch erzieherische Anregungen, systematische Schulung und Bildung u. a. vermittelt werden. Solche sind nach Befunden neuerer Untersuchungen v. a. in der frühesten Kindheit von Bedeutung. Die zwischen verschiedenen Individuen feststellbaren Intelligenzunterschiede sind dementsprechend bis zu einem gewissen Grade auf sozioökonomisch bedingte Chancengleichheiten zurückzuführen.” („DAS NEUE LEXIKON 5″, 1984: S. 1831)

Versuch einer Erklärung

Als Gegenüberstellung hier drei Versuche, „Künstliche Intelligenz” zu erklären:

„Der Begriff ‚Künstliche Intelligenz’ hat nicht so viel mit menschlicher Intelligenz zu tun, wie die vereinfachende – oder, wie man will, verkomplizierende -, Übersetzung des englischen ‚intelligence’ suggeriert. Im englischsprachigen Raum trägt die Vokabel ‚intelligence’ auch die Bedeutung von ‚Auskunft’, ‚*Mitteilung’, ‚Nachricht’ (‚intelligence service’ = Nachrichtendienst).

‚Künstliche Auskunft’ würde die Sache, um die es geht, zwar erheblich besser treffen, ist natürlich nicht so werbewirksam. ‚Künstliche Intelligenz’ als Oberbergriff umfasst alle Anstrengungen zur Entwicklung von Expertensystemen, der (‚natürlichen’) Sprach- und Schrift- wie Bilderkennung, ebenso die Bemühungen, fremdsprachliche Texte automatisch zu übersetzen. Eng verbunden mit diesen Forschungsprojekten ist die Entstehung der KI-Sprachen, zum Beispiel LISP und PROLOG.” (Dr. Ottos Computerlexikon 1988, S. 172.)

„Obwohl eine allgemein akzeptierte Definition von Künstlicher Intelligenz nicht in Sicht ist, ist eins sicher: Künstliche Intelligenz wird bleiben. und verspricht einige grundlegende Wandlungen für unser Denken und unsere Arbeiten. Früher wurden Computer hauptsächlich dazu verwendet, Menschen beim Lösen von Problemen und Fällen zu unterstützen. Meistens verarbeiten diese Computer große Mengen numerischer Daten. Mit der heutigen KI-Hard- und Software kann man andererseits den Computer anweisen, die jeweiligen Probleme selbst zu lösen und Entscheidungen zu fällen. Oft wird der Begriff KI auch im Zusammenhang mit Computersystemen verwendet, die einfach physische Aufgaben übernehmen, die einst Menschen erforderten. Der Einsatz von Robotern und Bilderkennungssystemen in der industriellen Fertigung sind zwei Beispiele dafür.

Die gegenwärtige KI-Technologie kann nur einen kleinen Teil der physischen und intellektuellen Aufgaben handhaben, die Menschen täglich bewältigen. Die Fähigkeiten von Computern, so intelligent zu denken und zu handeln wie ein fünfjähriges Kind, von Erwachsenen ganz zu schweigen, ist kaum mehr als ein Forschungstraum. Maschinenintelligenz erblasst gegenüber echter menschlicher Intelligenz. Daher ist die Intelligenz, selbst des raffiertesten Computers, begrenzt.” (Weiskamp & Hengl 1988, S. 2-3.)

“Die Definitionsversuche des Begriffes “Künstliche Intelligenz” hängen eng zusammen mit dem Versuch, die Intelligenz des Menschen zu beschreiben. Die so gewonnene Festlegung wird ein Maßstab für die Fähigkeit einer Maschine sein. Alle Versuche der Psychologie in Richtung einer solchen Definition sind gescheitert. Über diese Tatsache darf auch nicht die Existenz so genannter “Intelligenztests” hinwegtäuschen, die ja den Anspruch erheben, etwas zu messen, das man nicht einmal exakt beschreiben kann. Die Situation der Psychologie lässt sich am besten mit dem Satz beschreiben: ‘Intelligenz ist das, was der Intelligenztest misst.’ Eine intelligente Maschine muß mindestens in der Lage sein, vorgegebene Regeln einzuhalten bzw. deren Einhaltung zu überprüfen.” (Chip Special 1990)

Intelligenz vs. Künstliche Intelligenz

Aus Definitionen ist schon herauszulesen: Intelligenz ist ein Wort, das oberflächlich betrachtet für eine Eigenschaft des Menschen steht, während “Künstliche Intelligenz” etwas von Menschen Geschaffenes ist. Etwas, das erst entstanden ist, oder genauer genommen erst entstehen muss. Schon allein aus dieser Tatsache heraus gibt es die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen über diese verhältnismäßig junge Wissenschaft.

Einige Kritiker, die nicht aus dem Forschungsgebiet der KI kommen, meinen, dass Computer ihrem Wesen nach prinzipiell unfähig zu wahren Denkleistungen seien. (Vgl. Spektrum der Wissenschaft 1991, Ultrarechner: S. 91.)

John R. Searle von der Universität Kalifornien in Berkely versucht dies durch das durch das Beispiel des ‘Chinesischen Zimmers’ (Ein Mann, der der chinesischen Sprache nicht mächtig ist, sitzt,in einem Zimmer, das Körbe voller Kärtchen mit chinesischen Symbolen enthält und hat ein Buch, das ihm angibt, nach welchen Regeln chinesische Zeichen miteinander kombiniertw erden, wobei die Symbole nur anhand ihrer Form identifiziert wreden, ohne dass man irgendeteines verstehen muss. Dadurch ist er in der Lage, den Chinesen auf deren Fragen Antworten zu geben, ohne jedoch deren Sinn zu verstehen.) zu belegen. Er sagt:

1. Computerprogramme sind formal (syntaktisch)

2. Dem menschlichen Denken liegen geistige Inhalte (Semantik) zugrunde

3. Syntax an sich ist weder konstitutiv noch hinreichend für Semantik

4. Gehirne verursachen Geist

Seine Gegener halten ihm vor, dass er nicht mit gutem Gewissen behaupten kann, dass regelgesteuerte Symbolmanipulation niemals semantische Phänomene erzeugen könne. (Vgl. Spektrum der Wissenschaft 1991, Ultrarechner: S. 92 – 103).

Resümee

Die KI ist noch weit davon entfernt, Maschinen zu entwickeln, die dem Menschen überlegen sind. Allein die Beharrlichkeit der Leute, die darauf bestehen, dass Computer in der Lage seien zu denken, lässt vermuten, dass die Bezeichnung “Künstliche Intelligenz” mehr ein Wunschdenken als eine Definition ist. Sie ist ein Traum, die dank dem nimmermüden Erfindergeist des Menschen in Erfüllung zu gehen “droht”.

Wenn auch die Daseinsberechtigung der Bezeichnung “Künstliche Intelligenz” in Zweifel gezogen werden kann, so stehen doch die Anwendungsgebiete der KI fest:

Gam Playing, Sprachverstehende Systeme, Wahrnehmung, Sehen (Vision), Hören (Speech Understanding), Robotik, Theorembeweiser, Automatisches Programmieren, Expertensysteme (XPS), Symbolische Mathematik, Diagnose, Chemische Analyse, Entwurf technischer Systeme, Expert Database Systems.

Als ein hochinteressantes Gebiet der KI betrachte ich die Schachprogrammierung, in der sich die Programmierer neue Strategien einfallen lassen müssen, da sich die Spielstärke der Schachprogramme in letzter Zeit eher durch bessere Hardware als durch Programmverbesserungen gesteigert hat. Schachprogrammen gelingt es oft, kurzzügige zwingende Lösungen zu finden, während Positionen, die nach einer Strategie zur Lösung verlangen, Computer fast vor “Unlösbare” Aufgaben stellen. Es ist höchste Zeit, neue Strategien zu entwickeln…

(c) Viennawolf 1992/93 Fachbereichsarbeit aus Informatik: “Künstliche Intelligenz – Schachprogrammierung.”

Links:

KI – Zeitschrift für Künstliche Intelligenz

Wikipedia

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz der FU Berlin

GI-Fachgruppe Verteilte Künstliche Intelligenz

Fakultät für Informatik Universität Wien

American Association for Artificial Intelligence

Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory

Journal of Artificial Intelligence Research

Artificial Intelligence Depot

AI on the Web

Österreichische Gesellschaft für Artificial Intelligence

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