Die Dopinglüge

Lance Armstrongs Sonderleistung
Lance Armstrong ist ein Held. Bei der diesjährigen Tour de France hat er eine ganz besondere Leistung vollbracht – nein ich meine nicht den sechsten Tour-Sieg in Serie. Auf einer Etappe der schwierigsten Radrundfahrt der Welt liess der Amerikaner den Nachzügler Felippo Simeoni nicht wie sonst bei Außenseitern üblich, in einer Ausreißergruppe entkommen, sondern nahm dessen Verfolgung auf und zwang ihn zur Rückkehr ins Hauptfeld.

Seit seinem ersten Tour-Sieg im Jahre 1999 verfolgen Armstrong Dopping-Verdächtigungen. Simeoni ist ist der Hauptbelastungszeuge im Prozess gegen den italienischen Sportarzt Michele Ferrari, Armstrongs Trainingsberater und Freund. Die mediale Aufmerksamkeit eines Etappensieges sollte dem Underdog deshalb verwährt werden.

Doping ist keine neue Erfindung
Doping, so darf vermutet werden, gibt es so lange, wie es wettkampfmässig betriebene körperliche Betätigung gibt. Schon 1896 gab es einen Dopingtoten: der Sieger des Radrennens Paris-Bordeaux, Arthur Linton, starb wenige Wochen nach dem Rennen. Sein Tod wird heute dem Missbrauch von Strychnin zugeschrieben.

Ein Problem ist die Grenzziehung zwischen erlaubter und unerlaubter Manipulation im Leistungssport. Gemeint sind jene legalen Aufbaumittel, die für die ausgewogene physische Entwicklung der Athleten unbedingt nötig seien (Kohlenhydrate, Aminosäuren, Kreatin, Vitamine, Mineralsalze). Was die Athleten der Welt vorführen steht unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Die Risiken, die Sportler eingehen, wenn sie Dopingmittel zu sich nehmen, sind sehr groß.

Paradebeispiel Ben Johnson
Ein demonstrativ warnendes Beispiel im Sport ist der “Leider-nicht-Olympia-Sieger” Ben Johnson. Der Sprinter Johnson hatte bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul 1988 auf der 100-Meter-Strecke einen Fabelweltrekord aufgestellt. Zwei Tage nach seinem Sieg wurde bei einer Dopingprobe jedoch Anabolika nachgewiesen, Johnson musste die Goldmedaille zurückgeben.

In den nachfolgenden Ermittlungen kam heraus, dass Johnson planmäßige Doping-Programme seit 1981 absolvierte. Er wurde systematisch mit verschiedensten anabolen Steroiden aufgebaut. Nachdem Johnson 1993 erneut des Dopings überführt worden war, wurde eine lebenslange Sperre ausgesprochen. Johnson selbst sieht sich als ein Opfer der Leistungsgesellschaft.

Keine lange Lebensdauer
In der heutigen Zeit geht es im Sport nicht nur um das Ego, sondern vor allem um finanzielle Aspekte. Ein Profisportler verdient seinen Unterhalt mit Siegprämien und Sponsorverträgen. Diese Gelder sind von seiner Leistung abhängig.

Florence Griffith Joyner wuchs unter schlechten sozialen Verhältnissen in Los Angeles mit zehn Geschwistern auf. Bei den Ausscheidungswettkämpfen für die Olympischen Sommerspiele 1988 verbesserte sie den Weltrekord über 100 Meter und dominierte bei den Spielen die Konkurrenz dermaßen, dass bald Dopinggerüchte aufkamen. 1989 kehrte sie dem Leistungssport den Rücken, erlitt 1996 einen Schlaganfall und starb 1998 im Alter von nur 38 Jahren. Im Gegensatz zu Ben Johnson überstand sie Doppingkontrollen unbeschadet.

Bergab und bergauf
Marco Pantani war im Radsport der beste Bergspezialist der 90er-Jahre. Er, der von der italienisch Presse wegen seines Kopftuches ‘il pirata’ genannt wurde, gewann 1998 zunächst den Giro d’Italia und konnte im selben Jahr schließlich auch bei der Tour de France triumphieren. 1999 wurde ihm beim Giro zwei Tage vor dem Ende in Führung liegend, die Nutzung der verbotenen Substanz EPO (Erythropoietin) nachgewiesen und er wurde disqualifiziert.

Von da an ging es mit ihm stetig bergab. Der Endpunkt seiner Karriere war im Juni 2003 erreicht, als er sich wegen Depressionen in eine Nervenklinik begab. Wie durch den offiziellen Autopsiebericht bekannt wurde, starb der einstige Radstar zurückgezogen und einsam am 14. Februar 2004 an einer Überdosis Kokain.

Es gibt für alles eine Erklärung
Pantani hält auch die Rekordzeit am 13,8 km langen Anstieg von L’Alpe d’Huez in der Zeit von 37’35‘ Minuten (1997). Lance Armstrong kam bei der 16. Etappe der Tour, einem Bergzeitfahren, dem Italiener schon sehr nahe, bis auf eine Sekunde. Er führt die Leistungssteigerung nach seiner Krebserkrankung darauf zurück, dass er durch seine Erkrankung erkannt habe, nur einmal im Leben eine Chance zu bekommen.

Der dreifache Tour-de-France-Sieger Greg LeMond glaubt nicht an das ‘Wunder Lance Armstrong’. Es gebe im Radsport für alles eine Erklärung. “Ich möchte nicht mehr dazu gehören”, meinte der 43-jährige Amerikaner, auf die heutige Radsportszene angesprochen.
(c) Viennawolf 05. 08. 2004

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Doping im Schach

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