Fussballwunder

“Unglückliche” Niederlagen
Am veragangenen Mittwoch war es wieder so weit: Österreich hat “unglücklich” verloren, 1:3 gegen Deutschland. Man habe doch über weite Strecken passablen Fussball gespielt und nur durch “dumme” Eigenfehler und eine Schiedsrichterfehlentscheidung, die zum Freistoß vor dem 1:2 führte, sich um die Früchte der Arbeit gebracht.

Wenn man den österreichischen Spielern glauben darf, dann wird das Match gegen England kein Problem werden. Es gibt ja scheinbar kein grundsätzliches Problem unserer Fussballer mit ihrer Einstellung zum Leistungssport, in dem, es sei darauf hingewiesen, nach wie vor das Ziel darin besteht der Beste zu sein. In vielen österreichischen Zeitungen steht oft, dass jemand knapp verloren hat. Vielleicht verlieren deshalb so viele unsere Sportler ihr Ziel aus den Augen.

Luftschlösser
Eine Woche davor spielte Österreichs Fussball-Meister “Grazer Athletik Klub” gegen den englischen Rekord-Champion FC Liverpool in der Qualifikation zur sogenannten “Champions-League” an und verlor, “völlig überraschend” sang und klanglos ohne jede Chance zu Hause mit 0:2. Damit wird auch diese Saison die Liga der besten Mannschaften ohne österreichische Beteiligung über die Bühne gehen.

Im Vorfeld der Partie spekulierten viele Anhänger mit einer Sensation, sei es, da in England die Meisterschaft noch nicht begonnen hatte, oder dass der GAK mit Walter Schachner einen der besten Trainer, wohlgemerkt in Österreich, hat. In Österreich wird Fussball un-professionell betrieben – daher keine Erfolge.

Die falsche Methode
Die österreichischen Fussballklubs wollen alle insgeheim gerne erfolgreich sein, wie zum Beispiel die spanischen Klubs oder früher einmal die Engländer, nur leisten will man dafür nichts. Man nimmt gerne Abkürzungen auf dem Weg zum Erfolg, kauft bestenfalls mittelprächtige Legionäre oder abgetackelte “Stars”, anstatt gezielt den heimischen Nachwuchs zu fördern.

Die österreichischen Fussballer seien eben zu teuer, heisst es. Es ist bekannt, das selbst in den untersten Spielklassen manche Kicker für stattliche Summen dem runden Leder nachjagen. Wenn die Bezahlung stimmt, dann geben sich unsere Kicker auch gerne mit dem Mittelmass zufrieden.

Cordoba-Mythos
Unsere “Fussballexperten” werden auch nicht einsichtig. Ab und zu gelingt auch eine Überraschung, und es gelingt der Einzug in ein Europacup-Finale, oder das österreichische Nationalteam schafft die Qualifikation für eine Fussball-Weltmeisterschaft. 1998, 1990 und 1982 waren wir dabei, aber nur Mitläufer.

In schlechten Zeiten müsen dann immer wieder die selben Ereignisse als Trostpflaster herhalten: das 3:2 gegen Weltmeister Deutschland bei der WM 1978, oder die Siege des “Wunderteams” in der Zwischenkriegszeit. Anstatt darüber nachzudenken, wie man es besser machen könnte, schwelgt man lieber in der Vergangenheit. So wurden die Fussballer schon längst von den Eishockey-Spielern überrundet.

Vorbild Eishockey
Ende der 70er-Jahre pendelte das Eishockey-Nationalteam zwischen der zweiten und dritten Leistungsstufe und verlor gegen die besten Nationen stets zweistellig. Bis Ende der 90er-jahre beschritt man den gleichen Weg wie im Fussball, mit vielen Legionären, und auch vielen Pleiten im Klub-Betrieb. Als das Kartenhaus zusammenbrach, und ein Neuanfang mit einer großteils aus Einheimischen jungen Spielern bestehenden Liga gewagt wurde, drohte International der Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

Das Gegenteil war der Fall: die für die österreichische Liga zu teuren besten Österreicher gingen ins Ausland und fanden den Weg bis in die NHL, die beste Liga der Welt. Viele junge gaben sich nicht mit dem Mittelmass zu frieden und folgten nach Nordamerika.

Euro 2008 wird ein Desaster
Österreich veranstaltet bekanntlich in vier Jahren gemeinsam mit der Schweiz die nächste Fussball-Europameisterschaft. Es wäre eigentlich anzunehmen, dass nun endlich neue Wege bestritten werden. Das Gegenteil ist der Fall.

Einige Vereine freuen sich über neue Stadien und hoffen, dass der Rest sich irgendwie von selbst richten wird. Im Nachwuchsbereich gibt es immer wieder ein paar Talente, die sich jedoch nicht an unseren Eishockeynachwuchs orientieren und den harten Weg (ins Ausland) gehen wollen, sondern sich füher oder später schicksalshaft in die Hilflosigkeit eines kleinen Landes flüchten.
(c) Viennawolf 19. 08. 2004

Links:

Österreichischer Fussballbund

Deutscher Fussballbund

Österreichische Bundesliga

Kicker

Sportzeitung

FC Liverpool

Eishockeynetz Österreich

NHL

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