Harmonisierung

Harmonielehre
Harmonik ist einer der Parameter der Musik und umfasst alle stilistischen Formen des Zusammenklangs von Musik, beginnend bei der frühen Mehrstimmigkeit des Mittelalters bis hin zu Klangstrukturen der Avantgarde. Die Harmonielehre bezeichnet die Lehre von gut zusammenklingenden Akkorden und ist unter anderen neben Melodie oder Rhythmuslehre ein Regelwerk für den Komponisten. Der historische Ursprung der Akkorde liegt im Mittelalter.

In der österreichischen Politik wurde die Harmonielehre ebenfalls neu entdeckt. Nachdem etliche Pensionsreformen keine lange Lebensdauer erhalten haben, will man jetzt endlich alle Unstimmigkeiten beseitigen und für Gerechtigkeit sorgen.

Startschuss zur “Harmonisierung”
Die Regierung hat die Patitur ihrer Erstfassung mit dem vielsagenden Titel “Harmonisierung” vorgelegt . Ein neues Pensionskonto soll ab 1. Jänner 2005 für FAST alle Berufsgruppen gelten. Ausgenommen sind alle ab dem 55. Lebensjahr und Landes- und Gemeindebediensteten sowie einige freie Berufe mit eigenen Kassen wie Notare und Rechtsanwälte.

Grundsätzlich sieht die “Pensionsharmonisierung” aber die Einbindung und Gleichbehandlung aller Berufsgruppen vor. Das Haupt-Thema des vorgelegten Werks lautet: Wer im Regelpensionsalter von 65 Jahren 45 Beitragsjahre erworben hat, geht mit 80 Prozent des durchschnittlichen Lebenseinkommens in Pension. Der Beitragssatz soll künftig einheitlich bei 22,8 Prozent liegen.

Schönberg fürs Volk
Das Ziel der Bundesregierung, ein neues Pensionssystem für uns Österreicher einzuführen ist so, wie zu versuchen, einem Orchester, dass nur sogenannte klassische Musik spielen will, Schönberg beizubringen. Ein hinkender Vergleich, aber in einigen wichtigen Punkten doch zutreffend.

Das alte Pensionssystem war darauf ausgerichtet, den Lebensstandard der erwerbstätigen Menschen in den Lebensabend hinüber zu retten. Das ging so lange gut, solange es ein Wirtschaftswachstum in einer Größenordnung gab, dass man an alle etwas verteilen konnte. Als in Österreich erstmal Anfang der 80er-Jahre die Arbeitslosenzahlen dramatisch anstiegen, fingen die ersten “Jahrhundertreformen” an, und manchmal ist ein Jahrhundert eben etwas kürzer.

Ende der Kosmetik
Mitlerweile hat sich aber die Gesellschaft auch in Österreich so gewandelt, dass ein System, dass in der Nachkriegszeit entwickelt wurde, auf absehbare Zeit nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Wenn jetzt ein neuer Dirigent kommt und dem Orchester erzählt, dass es mit dem tarditionellen Programm vorbei sei, dann ist klar, dass allein schon aus der Macht Gewohnheit im Orchester einige Misstöne anklingen werden. Sei es, dass man sich an den neuen Stil erst gewöhnen muss, oder dass man den neuen Stil ganz einfach nicht akzeptiert. Bei dieser Pensionreform kommt erschwerend hinzu, dass die regierenden Parteien aus verständlichen Gründen ihre Klientel besser behandeln will. Es gibt noch andere Aspekte, die den Klang der politischen Stimmen eintönen.

Politiker und Beamte
Österreichische Politiker haben es schön: Beispielsweise steigen nach einem Bericht des Salzburger Fenster in Salzburg die Beträge, die für Politikerpensionen aufgewendet werden weiter an, obwohl diese per Gesetz bereits 1998 abgeschafft wurden. Da aber die meisten Politiker die Möglichkeit gehabt haben, zwischen dem alten System der Politikerpension und einem neuen System zu wählen, werden noch etliche Politpensionen fällig.

Hier sind keine Eingriffe oder Einsparungsmaßnahmen geplant. Die Ruhebezüge für Politiker reichen bis zu knapp 10 000 Euro, Landtagsabgeordnete bekommen für ihren Nebenjob immer noch 1500 Euro. Innerhalb der letzten 10 Jahre sind die Beamtenpensionen um 57 Prozent gestiegen. Soviel zur Glaubwürdigkeit in der Politik.

Disharmonie
Vor kurzem wurde ein neuer Ansatz zur Therapie von Migränekopfschmerzen vorgestellt. Ärzten in einem Rehabilitationszentrum in Bad Pirawarth in Österreich sei es gelungen mit sehr disharmonischen und unrhythmische Tonfolgen die Schmerzen von Migränepatienten zu lindern. Wird von Pensionsreform gesprochen, so bedeutet das meistens nichts Angenehmes für die Betroffenen.

Der verharmlosende Begriff “Pensionsharmonisierung” löst mitlerweile bei vielen Österreichern migräneartige Zustände aus. Da ist es doch eine Freude zu beobachten, dass in der politischen Diskussion zwischen allen Parteien Disharmonie herrscht, was etwas Linderung verspricht!
(c) Viennawolf 30. 07. 2004

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