Hassen oder lieben – Karajan!

Erinnerung an eine Kultfigur
Vor 15. Jahren starb einer der einflussreichsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Herbert von Karajan (eigentlich Heribert Ritter von Karajan) erhellte die Musikwelt mehr als ein halbes Jahrhundert. Wo viel Licht, da ist bekanntlich auch viel Schatten.

Während seine Bewunderer einen der hervorragendsten Musiker seiner Zeit sehen, der eine Vielzahl großer Interpretationen hinterlassen habe, stellt er für seine Gegner ein herausragendes Beispiel für Glamour und Geld dar – ein “Wichtigtuer”, dessen “Präsentiergehabe” reiner Selbstzweck war, ein typischer Karrierist, ein Musiker für die Schickeria. Ihm sei es nicht mehr um die Sache gegangen, sondern nur um reine PR für sich selbst. Der Name Karajan lässt keinen kalt.

Inkarnation musikalischer Allmacht
Karajans Vorfahren waren aus Griechisch-Mazedonien in das Kurfürstentum Sachsen eingewandert, wo Georg Johann Karajannis am 1. Juni 1792 von Friedrich August Herzog von Sachsen in den Adels-stand erhoben wurde. So scheint es, dass Karajans Streben nach einflussreichen und mächtigen Betätigungsfeldern in der Musik in der Geschichte seiner Familie verwurzelt scheint.

Der junge Karajan begann seine Dirigentenkarriere in den 30er-Jahren in Deutschland. Die Mitgliedschaft in der NSDAP hat ihm erst 1946 persönlich geschadet, als er ihretwegen 1 Jahr Berufsverbot erhielt. Ansonsten strebte er im Laufe seiner Karriere sytematisch nach wichtigen Posten in den “Musikhauptstädten” (Biographie).

Karriere geht vor
Wie war das in den 30er-Jahren, als Hitler in Deutschland an die Macht kam, als von einem Tag auf den anderen beinahe die Hälfte der Berliner Philharmoniker “ausgetauscht” wurde? Mahler spielten die Berliner Philharmoniker nach 1933 nicht mehr, und Mendelsohn auch nicht. Und hätte Mozart einen jüdischen Vater oder eine jüdische Mutter gehabt – sie hätten auch Mozart nicht mehr gespielt,und wäre Liszt Jude gewesen, sie hätten kein Thema für ihre Sonder-meldungen gehabt, die Nazis.

Und was machte Karajan, während Bruno Walter aufgrund der “Arisierung” zunächst nach Wien und später nach Amerika flüchtete? Toscanini ging von sebst, da er nicht in so einem Land arbeiten wollte. Karajan – der Machtmensch -, “machte” Karriere.

Das Mediengenie
Wenn man so will, hatte sein Drang zur (Selbst-)Darstellung über Musik auch positive Seiten. Die “technologische Seite” seiner Persönlichkeit lenkte seinen Blick auf die wichtigsten Entwicklungen im Bereich Platte, Rundfunk, Film und Fernsehen und ihre Aus-wirkungen auf die Orchestertätigkeit.

Ständig interessiert an neuen Hörerfahrungen experimentierte er mit technologischen Innovationen. So machte er bereits 1980 mit Mozarts “Zauberflöte” die erste digitale Aufzeichnung und gründete mit “Telemondial S.A.M” ein neues visuelles Medium, um sein vollständiges Repertoire auf Videodisc aufzunehmen. Sein Musikleben war geprägt vom Wunsch der ständigen Steigerung musikalischer Ausdruckskraft.

Umstrittene Kultfigur
Karajan ist zu einem Synonym für seinen Berufsstand geworden,sein Name hat sich längst von seiner Person gelöst – 1995 wurde das Karajan-Zentrum in Wien gegründet – erwähnt sei auch die “Herbert von Karajan Stiftung Berlin” die in erster Linie junge Dirigentinnen und Dirigenten unterstützt. Karajan hat sich zu Lebzeiten immer wieder als Förderer junger Künstler erwiesen (Evgeny Kissin, Anne-Sophe Mutter, etc.).

Karajan steht für das Streben nach musikalischer Allmacht. Seine Eigenschaft, nicht nur in musikalischen Kategorien zu denken ist die Ursache für ein persönliches Verhalten, dass nicht nur für die Zeit der NS-Herrschaft als ignorant interpretiert werden kann.

Biographische Angaben (Auswahl)
Geboren: 5. April 1908 in Salzburg, Urenkel von Theodor Ritter von Karajan (Germanist und Historiker, Hofbibliothekar , Universitätsprofessor und Präsident der Akademie der Wissenschaften); sein Vater war Primararzt)

Musikalische Ausbildung: erhielt bereits im Alter von drei Jahren Klavierunterricht von Franz Ledwinka, Leiter des Mozarteumorchesters; 1916-1926: Schüler am Konservatorium Mozarteum in Salzburg;

Karrierestationen: 1929: Debüt als Dirigent in Salzburg; 1929 Ulm – 1934 Generalmusikdirektor in Aachen – 1941 Berlin – nach Krieg Arbeitsverbot – 1947 Wiener Staatsoper – 1954 Chefdirigent Berliner Philharmoniker – 1957-64 Direktor der Wiener Staatsoper – Salzburger Festspiele Muik. Leiter 1956-60, ab 1965; Direktorium 1964-88
(c) Viennawolf 16. 07. 2004

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