Irgendwann bleib ich dann dort…

Als Aussteiger hat man es schwer, weil man ist in der Minderheit. Egal, ob ich mich dazu entschliesse, die Zivilisation zu verlassen und mein Leben in der Einsamkeit der unberührten Natur zu leben…

Ich war noch niemals…
Ihr kennt vielleicht das schöne Lied von STS, in dem besungen wird, wie schön es doch in Griechenland ist, und dass man es doch eines Tages wagen wird, nicht mehr in den Alltagsstress zurückzukehren. Oder wer kennt nicht den Klassiker von Udo Jürgens “Ich war noch niemals in New York”…

In uns tief drin steckt also eine Sehnsucht, unsere Identität zu finden, zumindest mit dem Gedanken zu spielen: was wäre wenn. Vielleicht hat man sich ja aus Gründen der Konformität zur Gesellschaft, oder den Erwartungen anderer nie getraut, etwas so genanntes “Verrücktes” zu tun. Einmal ein Risiko eingehen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen, wer träumt nicht davon?

Viele Arten des Ausstiegs
Aussteigen wir oft mit Auswandern gleichgesetzt – mir als gelernten Politologen fällt da die Auswanderungswelle nach der 1848er-Revolution in die Vereinigten Staaten von Amerika ein. Man kann einfach sein Leben nicht leben, ist auf der Flucht vor dem System. Das Leben ist in Gefahr, bei physischer Bedrohung im wahrsten Sinne des Wortes, und wenn das eigene Leben so “dahinplätschert”, sprichwörtlich.

Wenn Du immer das machst, was die anderen wollen, und nie Deinen eigenen Willen verwirklichen kannst, dann bist Du innerlich tod, trägst nur Deinen Körper spatzieren. Pubertäres Verhalten beispielsweise, ist der Ausstieg des Kindes aus der Eltern-Kind-Beziehung…

Der erzwungene Ausstieg
Manchmal “verrennt” man sich auf seinem Pfad des Lebens, oft ausgehend von grossen Zielen. Ich habe im Zuge meiner Recherche beeindruckende Geschichten gelesen. Ich möchte jetzt nicht für Finanzdienstleister Werbung machen, aber das “grosse Geld” ist schon ein Lockvogel, den kaum einer widerstehen kann. Es ist aber nicht jeder zum Unternehmer geboren, und die Finanzwirtschaft ist kein Kinderspiel.

Schon Pestalozzi verglich die Wirtschaft mit dem Krieg, und dieses Gleichnis sollte man sich immer vor Augen halten. In diesem Business geht es nicht um Moral. Nur wer begreift das die Geldwirtschaft anthropologisch gesehen mit der Jagd bzw. dem Jagdtrieb des Menschen zu tun hat, muss später nicht fliehen.

Sekten und Drogenszene
Es gibt viele Irrwege im Labyrinth des Lebens, und oft fällt es uns schwer umzukehren, weil wir uns einen Fehler nicht eingestehen wollen. Auf dieses Weise kann ich mir die zahlreichen Berichte über verarmte sogenannte “Vermögensberater” erklären, die oft über Jahre die Lebenslüge des “alles ist machbar” leben ehe sie in die Schuldenfalle.

Der nächste Stufe der Evolution der Spezies “potentielle” Aussteiger sehe ich in Personen, die sich aus einer Clique nicht befreien können. Anfang udn manchmal auch Ende bilden Ausstiegsszenarien – unzufriedene Teenager auf der Suche nach ihren Selbst geraten in die Fänge von Sekten oder in Drogenabhängigkeit.

Außenseiter
Als Aussteiger hat man es schwer, weil man ist in der Minderheit. Egal, ob ich mich dazu entschliesse, die Zivilisation zu verlassen und mein Leben in der Einsamkeit der unberührten Natur zu leben versuche, oder mich von einer Sekte abwende, ich kämpfe gegen ein psychologisches Prinzip an.

Der berühmte amerikanische Psychologe Cialdini hat festgestellt, dass wir uns sehr stark vom Majoritätsprinzip leiten lassen. Der Grund ist, dass wir Entscheidungen in so kurzer Zeit treffen müssen, dass wir uns nicht alles genau überlegen können. Deshalb benutzt unser Gehirn Hilfsmittel, und unser Instinkt sagt uns, dass wir den Entscheidungen der Mehrheit folgen sollen.

Kollektiv und Individuum
Wir Menschen können, was uns von den Tieren unterscheidet, über uns selbst reflektieren und sind nicht die Sklaven unserer Gefühle. In der Werbebranche gibt es genug blitzgescheite Leute, die sich derartige psychologische Prinzipien zur Beeinflussung der Menschen zu nutze machen – und es funktioniert.

Die für mich weitaus faszinierendere Geschichte ist, dass es Leute gibt, die aus dem Handeln im Kollektiv ausbrechen. In dem Moment fängt der Mensch zu leben an, wenn er eigene Entscheidungen trifft, die oft mit einem hohen Preis zu bezahlen ist. Pestalozzi musste das GDI in Zürich verlassen, als er mehr und mehr zum Gesellschaftskritiker wurde. Wir brauchen Mut zum eigenen Leben!
(c) Viennawolf 23. 09. 2004

Links:

Zeugen Jehovas Hilfe zur Selbsthilfe

Ausstieg aus dem Rechtsextremismus

Aussteigen, aber wie? 

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