Kleingarten

Eigener Lebensraum für arme Leute
Der Leipziger Arzt Dr. Daniel Schreber stellte Anfang des 19. Jahrhunderts die Forderung auf, dass jemand der sich kein eigenes Haus leisten kann, Zugang zur Natur haben soll. Während der Industrialisierung prägten enge, dunkle Unterkünfte und lange Arbeitstage das Leben der Menschen.


Nach Schrebers Vorstellung sollten Gärten den Kindern als Spiel- und Turnplatz dienen, um ihre Gesundheit zu fördern. Der Eigenanbau von Obst und Gemüse sollte nicht nur eine gesunde Ernährung garantieren, sondern auch die Haushaltskasse der Familien entlasten. Aus dem ersten Schreberplatz in Leipzig wurden bald die “Schrebergärten” für die ganze Familie..


Neues Lebensgefühl
Der Modebegriff  ”Wellness” macht Erholung, Ruhe und Entspannung wieder zum Thema. 150 Jahre nach Dr. Schreber sucht man immer noch nach Lösungen, wo Kinder gefahrlos spielen können und die Natur kennenlernen, sodass sie Tiere und Pflanzen nicht nur aus Büchern kennen..


In Schrebergärten finden gestresste Berufstätige körperlichen und seelischen Ausgleich. Der eigene Kleingarten wird zur Freizeitoase der Entspannung und der kreativen Entfaltung. Das eigene Heim wird zum Dreh- und Angelpunkt der Freizeit – der eigene Garten gewinnt als Erlebnisbereich immer mehr an Bedeutung und steht für ein Lebenskonzept, in dem man sich in seiner eigenen Welt wohlfühlt.

Schrebergärten erst nach Dr. Schreber
Daniel Gottlieb Moritz Schreber wurde am 15. Oktober 1808 in Leipzig geboren. 1833 schloss er das Medizinstudium mit dem Doktorrat ab und wurde Leibarzt des russischen Fürsten Alexej Somorewskij, den er auch auf dessen Reisen durch Österreich, Deutschland, Belgien, England und Frankreich begleitete.


Schreber schrieb mehrere Bücher, ehe er am 10. November 1863 im Alter von 53 Jahren starb. Sein Schwiegersohn, der Schuldirektor Ddr. Ernst Innocenz Hauschild legte 1864 in Leipzig den “Schreberplatz” mit 250 Männern und Frauen aus dem Bürgertum an, um Schrebers Wunsch nach kindgerechten Spiel- und Turnplätzen Nachdruck zu verleihen – die Geburtsstunde der Schrebergärten.

Zurück zur Natur
Schon große Geister wie Shakespaer, Goethe, Schelling oder Lessing haben unter Naturwissenschaft etwas anderes verstanden als herkömmliche Naturwissenschaft. Für sie war die Natur ein großes Vorbild, wohin zurückzufinden man bestrebt war..


Inzwischen ist klar geworden, dass sich die Natur die Verachtung ihrer Lehren teuer bezahlen lässt. In diesem Zusammenhang müssen wir uns nur die sogennaten Zivilisationskrankheiten, hergerufen durch unsere Ernährungsgewohnheiten oder die durch Umweltzerstörung entstandenen Folgekosten (Hochwasser, Murenabgänge, etc.) bewusst machen. Man muss ja nicht gleich auf die Bäume zurückkehren, ein Kleingarten tut’s auch.

Entwicklung in Österreich
Die Geschichte der Kleingärten beginnt in Österreich, als man von der Schrebergartenbewegung in Deutschland Notiz nahm. Die ersten Gärten wurden in Purkersdorf bei Wien angelegt. 1910 wurde der Verein “Schrebergarten in Wien und Umgebung” gegründet, in den Jahren 1911-1920 die ersten Kleingartenflächen parazelliert..


Seither hat sich die Kleingartenbewegung in Österreich kontinuierlich weiterentwickelt. Insgesamt gibt es in Österreich auf einer Fläche von 896,5 ha derzeit 35 500 Kleingärten, die in 364 Vereinen und 5 Landesverbänden (Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien) aufgeteilt sind. In Wien ist seit 1992 ganzjähriges Wohnen in Kleingärten möglich.

Bedeutung für Großstädte
Die Bedeutung von Kleingärten in der Entwicklung einer Stadt liegt in ihrer Funktion für Familien mit Kindern ruhiger und sicherer Lebens- und Erholungsraum. Für die ältere Generation sind Kleingärten Orte der körperlichen Aktivität an denen sie auch Möglichkeiten der Kommunikation erhalten.

Insbesondere in Großstädten haben die Kleingartenanlagen auch eine ökonomische Bedeutung, da der Verbleib von Familien in der Stadt oft vom Vorhandensein privat nutzbarer Gärten abhängt. Mit der Kleingartenbewegung zeigtdie “Small-is-beautiful”-Idee im Bereich des Wohnen somit schon gute Ansätze.
(c) Viennawolf 14. 09. 2004

Links:

Verzeichnis von Wiener Kleingartenanlagen

Kleingärtner Österreichs

Gartenfreunde

Kleingartenweb

Kleingartenbund

Kleingarten-webring

Tipps & Tricks

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