Mehr Öl ins Feuer?

Benzin muss billig sein
Sozialminister Haupt verklagt österreichische Mineralölfirmen wegen unerlaubter Preisabsprachen bei der EU-Kommission in Brüssel. Für Preisabsprachen gebe es zwar keine echten Beweise, aber eine dichte Indizienkette. Haupt kann sich in diesem Fall großer Unterstützung in der Bevölkerung sicher sein und Sympathiepunkte sammeln.

Erdöl ist nachwievor eine wichtige Säule im Wirtschaftssystem der Industrienation. Es ist schon erstaunlich, dass die Erdölkrise zu Beginn der 70er-Jahre nicht mehr als ein paar “Alibi-Aktionen” in unserer Gesellschaft ausgelöst hat. Diese Nachlässigkeit könnte sich rächen und die wirtschaftliche Krise in Europa im Verein mit den Finanzierungsproblemen des Sozialstaats prolongieren.

Trübe Aussichten für einfache Lösungen
Der Anstieg der Benzinpreise wird durch die vermehrte Nachfrage der USA bei gleichzeitigem Anstieg der Rohölpreise auf den höchsten Stand seit der Kuweit-Krise verursacht. Der Grund ist also ein simples Naturgesetz: Weil die Nachfrage nach Benzin und nach Rohöl ständig wächst, ohne dass die Fördermengen noch nennenswert gesteigert werden können steigen die Preise.

China ist ein rießiger Wachstumsmarkt mit steigender Energienachfrage. Es ist vorhersehbar, dass auch in diesem riesigen Land die private Motorisierung auf ähnliches Niveau wie in den Industrienationen ansteigen wird. Es ist daher vorhersehbar, dass die Nachfrage weiter ansteigen wird und die Preise für Erdölprodukte explosionsartig in die Höhe schnellen werden.

Nachhaltigkeit – mehr als ein Schlagwort
Die Hügel der Mittelmeerländer sind heute weitgehend kahl. Das ist das Resultat des Raubbaues an den Wäldern von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Das Holz wurde dazu verwendet, um die Kriegs- und Handelsflotten die in den letzten 2000 Jahren das Mittelmeer befahren haben zu bauen. Bei der Waldwirtschaft im Mittelmeerraum wurde das Prinzip der Nachhaltigkeit missachtet. Es besagt, dass man nur soviel Holz verwerten darf, wie der Wald verkraftet – soviel wie nachwachsen kann.

Die Industrienationen verbrauchen heute in nicht einmal 2 Jahren so viel fossile Energiereserven wie alle Länder der Erde im gesamten 19. Jahrhundert. So, wie es vielen Wäldern im Mittelmeerraum ging, so kann es der industrialisierten Welt ergehen.

Ökosoziale Marktwirtschaft
Anfang der 90er-Jahre hat der damalige Spitzenkandidat der ÖVP, Vize-Kanzler Riegler die “ökosoziale Marktwirtschaft” zum Wahlkampfthema erhoben, wie wir wissen, ohne Erfolg. Seiner Idee erging es ähnlich wie den Ideen des einstigen Sozialministers Dallinger von einer Maschinensteuer: sie verschwand in einer Schublade.
Die Grundidee hinter dem Konzept der “ökosozialen Marktwirtschaft” besteht darin, die Vorteile der Marktwirtschaft zu nützen, um mit politischen Maßnahmen die negativen Folgen wie Instabilität durch soziale Spannungen und die Gefährdung der Umwelt abzumildern und zu verhindern. Eine faire Verteilung der erwirtschafteten Güter um einen dauerhaften Konsens innerhalb der Gesellschaft zu erreichen und der Schutz der Umwelt sind in einem Konzept vereint.

Ökologische Steuerreform
Angesichts der ökonomischen Probleme die unseren Sozialstaat in Frage stellen und zunehmenden Umweltproblemen findet die Forderung, den Faktor Arbeit zu entlasten, und dafür den Umwelt- und Energieverbrauch stärker zu besteuern, immer mehr Anhänger.
Die Ökosteuer soll einen Anreiz zu sparsamem Ressourceneinsatz bieten und damit gleichzeitig die Umweltqualität verbessern und einen Beitrag zur Verringerung der Arbeitslosigkeit leisten. Theoretisch klingt das alles schön und gut. In der Praxis werden ökologisch begründete Maßnahmen solange nur Kosmetik bleiben, bis ökonomische Zwänge die Industrienationen zum Umdenken zwingen. Mit Atomenergie, von der wir Österreicher nichts wissen wollen, steht in anderen Ländern eine “unökologische” Alternative zur Auswahl.

Ende der Verschwendung?
Mit der alljährlich vorwiegend in den Sommermonaten wiederkehrenden Diskussion über zu hohe Benzinpreise wird auf emotionaler Ebene ein viel tiefer liegendes Problem angesprochen. Es ist kein großes Geheimnis, dass die Industrienationen sehr viel mehr Energie verbrauchen, als die ärmeren Länder. Unterm Strich bleibt die Forderung des “gewöhnlichen” Bürgers nach niedrigen Treibstoffpreisen als eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens.

Der “Club of Rome” hat schon zu Beginn der 70er-Jahre auf die Ressourcenknappheit hingewiesen und es ist trotz technologischen Fortschritts eine Ende unserer Ressourcenvergeudung absehbar – aber aus ökonomischen Gründen!
(c) Viennawolf 10. 08. 2004

Links:

Club of Rome 

Aachener Stiftung Kathy Beys

Lexikon der Nachhaltigkeit 

Nachhaltigkeit.de

Nachhaltigkeit und Wohnen

Benzinpreis.de

Spritpreissuche

Alternative Energie Systeme

Ökosoziale Marktwirtschaft

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