Ohne Limit, ohne Grenzen!

Ein Zeichen für das Damentennis
“Ein schreckliches Zeichen für das Damentennis” ortete Ex-Wimbledonsieger Michael Stich als Co-Kommentator der BBC. So eben hatte eine 47-jährige Amerikanerin in der ersten Runde der All-England-Tenismeisterschaften in Winbledon gegen ihre um 25 Jahre jüngere Gegnerin aus Kolumbien glatt mit 6:1 und 6:0 gewonnen.

Tennislegende Martina Navratilova ist gewohnt zu kämpfen, und so liess ihr Konter nicht lange auf sich warten: Die Abwertung des Alters nur bei weiblichen Sportlern sei sexistisch und sie verwies auf die Beispiele Goran Ivanisevic (Drittrundeneinzug beim Herrenturnier) und Michael Jordan, dessen erfolgreiches Comeback in der NBA mit 41 kein Anlass zur Kritik am Basketballsport gewesen war.

Frühe Initiative
Martina Navratilova war schon sehr früh auf sich allein gestellt. Mit 19 blieb sie nach einem Turnier in den Vereinigten Staaten und konnte aufgrund der politischen Verhältnisse ihre Familie vier Jahre lang nicht sehen. 1980 drang ihr Verhältnis mit Rita Mae Brown an die Öffentlichkeit. Ihr Outing als Bisexuelle verstörte das prüde Amerika und die Sponsoren sprangen ab.

“Wenn der Rest meines Lebens daneben ging, dann hatte ich immer noch meinen Schläger” – Navratilova perfektionierte ihr Spiel und gewann in der Zeit von 1982-87 6 mal in Folge in Wimbledon, 1982 sogar 15 Einzel und 14 Doppeltitel auf der Tour.

Gegen den Jugendwahn
Heute kämpft Navratilova vor allem, aber nicht nur, gegen den Jugendwahn. Sie habe wohl ein anderes Verständnis vom Altsein. Ihre Devise war stets ohne Grenzen, auch ohne zeitliche Limits zu leben. Navratilova gehörte bereits zu Zeiten eines Björn Borg oder Jimmy Connors zur Weltspitze, und jeder kann sich vorstellen, wie sich dieses Duo heute auf der ATP-Tour schlagen würde.

Obwohl die 30 bis 50-jährigen Frauen das Geld in der Tasche haben, sind sie als Zielgruppe für Reklameleute uninteressant, empört sich ‘Nav’. Auch Präsident George W. Bush bekommt sein Fett weg: Er sei ein ahnungsloser und ignoranter Mann, der das Ansehen Amerikas in der Welt schwer schädige.

Das Geheimnis der Legende
Was nicht viele wissen, sei hier erzählt: Nach ihrem ersten Rücktritt vom Tennis 1994 hielt sich Navratilova mit Ski, Snowboard, Basketball und Golf fit, ehe sie wieder ins professionelle Training einstieg und mit dem Eishockey-Team der Aspen Mother Puckers die US-Meisterschaft gewann.

Was macht die Tennislegende aus? Wenn sie so wie viele Menschen darauf gewartet hätte, bis jemand in ihr Leben tritt und es nach ihren Wünschen verändert, wäre sie wahrscheinlich nie zur Tennisspielerin des 20. Jahrhunderts geworden. Ein Geheimnis ihres Erfolgs war ganz sicher auch, dass sie nie aufgehört hat, an sich und ihren Spiel zu arbeiten. Von Jahr zu Jahr hat sie daran gefeilt und sich immer weiter verbessert.

Mut zur Veränderung
Navratilova will auch andere Menschen dazu animieren, das zu tun, was sie möchten. Unabhängig vom Alter. “Wenn du Leidenschaft für Sport oder Kunst oder meinetwegen Politik hast, wenn da dein Herzblut drinsteckt, dann mach es und denke nicht über dein Alter nach”. Veränderung falle nicht vom Himmel.

Man muss sich selber bewegen, um aus der Geschichte seiner Familie und seines Landes seine eigene Zukunft zu formen. Das verlange Kompromissbereitschaft und auch Bescheidenheit. Man darf nicht alles sofort und gleichzeitig wollen, aber man muss die Schritte gehen, einen nach dem anderen, die einen der Wahrheit näher bringen.

Eckdaten
Martina Navratilova (geb. 18. Oktober 1956 als Martina Subertowa in Revnice/ Prag). Seit 1975 lebt sie in den USA, ist amerikanische Staatsbürgerin und bekennt sich öffentlich zu Ihrer Bisexualität. Zu ihren insgesamt 167 Turniersiegen zählen allein 18 Grand-Slam-Erfolge. Im Doppel gewann sie insgesamt 174 Tuniere.

Im Jahr 2000 wurde sie in die Hall of Fame des Tennissports aufgenommen. 2003 gewann sie im Mixed bei den Australian Open als älteste Spielerin überhaupt ein Grand-Slam Finale. Im selben Jahr wurde sie für den Gewinn des Super Slams von der WTA-Tour ausgezeichnet. Sie gewann als dritte Spielerin in der Tennisgeschichte sämtliche Einzel-, Doppel- und Mixed-Titel bei allen vier Grand-Slam-Turnieren.
(c) Viennawolf 15. 07. 2004

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