Teil IV: Ein legendäres Derby

Mehr als 1000 Worte

Willi Haslitzer: “…Eine Bilderbuchaktion, hohe Schule des Eishockey, und Thommi Cijan hat die Scheibe weiterverlängert für Eddi Lebler und Ed Lebler hat geschossen. So schnell, da kann man nicht reden, da kann man nicht reagieren!”

Die Reporter des Eishockey-Magazins müssen, da eine Radiosendung, mit dem Handicap des fehlenden Bildes zurechtkommen. Sie behelfen sich mit einer bilderreichen Sprache:

Willi Haslitzer: “…Die beiden gehen im Stil von Mohammed Ali und anderen Profi-Boxern aufeinander los….”

Gerade dieses Fehlen des Bildes macht auch den Reiz der Radiosendung aus. Im TV wird der Zuschauer mit einer Reihe von (bildlichen) Informationen versorgt. Seine Aufmerksamkeit wird von den Worten abgelenkt. Peter Huemer, durch den “Club 2″ bekanntgeworden, ist deshalb schon Ende der 80er-Jahre ins Radio gewechselt (“Im Gespräch”). Die Zuhörer des Eishockey-Magazins müssen ihre bildliche Vorstellungskraft einsetzen, und je besser der jeweilige Reporter seine Schilderung sprichwörtlich bebildern kann, umso besser kann der Zuhörer das Spielgeschehen verfolgen.

Tono Hönigmann: “…Der KAC fast immer mit einem Mann mehr auf dem Eis. Der Schiedsrichter Pfarrkirchner hätte sich gleich einen roten Dress anziehen können, denn er pfeift in einigen Phasen ganz klar für Klagenfurt….”

Das Eishockeymagazin in den letzten 20 Jahren

Die zitierte Sendung lief auf dem Sendeplatz von Ö3-Kärnten, auf 90,4 Mhz, einen Sendeplatz, den es nicht mehr gibt. Ich vermute, dass das Musikprogramm des Eishockeymagazins für Radio Kärnten als etwas zu flott angesehen wurde, sodass man die Möglichkeit dieses Sendeplatzes wahrnahm. Mit dem Ende von Ö3-Kärnten war die Rückkehr zum Regionalprogramm der einzige Ausweg.

Mitlerweile hat sich der Musikgeschmack auch etwas geändert. Viele Hörer sind mit dem Eishockeymagazin mitgewachsen. Die Pop-Musik hat heute auch schon jeden Hauch oder Schatten von Aufbegehren und “Revoluzertum” verloren. Das Magazin ist fester Bestandteil des Programmes von Radio Kärnten, und heute müssen meist andere Sendungen dem Eishockey-Magazin weichen, sollte dies die Übertragung eines Spiels von KAC oder VSV erforderlich machen.

Vor 20 Jahren gab es noch kein Premiere. In der Live-Berichterstattung hatte das Eishockey-Magazin eine Art Monopol. In den 90er-Jahren übertrug der ORF einige Finalspiele im TV. Dabei besonders erwähnenswert die Finalserie 1990/91 zwischen KAC und VSV, in der es zu einer extrem aufgeheizten Stimung kam. Die harte Gangart beider Mannschaften machte, ohne Übertreibung, weltweit Schlagzeilen. Diese Serie war auch eine Zesur im Eishockeymagazin: Aus Gründen der Deeskalation ging man von der Praxis ab, je einen subjektiv eingestellten KAC- und VSV-Reporter zu stellen. Meiner Meinung nach ein Verlust an Qualität.

Mit der ORF-Reform unter Gerhard Zeiler und dem Sportchef Elmar Oberhauser (keine Übertragung des Euroligafinalerfolgs der VEU Feldkirch!) brachen sehr magere Zeiten für österreichische Eishockeyfans an, da sich der TV-Sport nur noch auf Fussball, Formel-I und Ski-Sport konzentrierte. Als Rettungsanker blieb den Kärntner Eishockeyfans das Eishockeymagazin erhalten. Nach den ertragreichen Jahren mit 5 KAC-Meistertiteln und zwei des VSV innerhalb von 9 Jahren, war nun sportliche Magerkost durch die Dominanz der VEU Feldkirch angesagt. Negativer Höhepunkt war die Saison 1993/94, als beide Kärntner Vereine im Entscheidungspiel der Semifnalserie unterlagen.

In dieser Saison blieb als einziger Höhepunkt die Wahl zum Kärntner Eishockey-Superstar, eine Wahl die schon immer besonders die jungen Hörer mobilisiert hat. In den Anfangsjahren wurden noch Unterschriftenlisten eingesannt, die in mühevoller Kleinarbeit von den Mitarbeitern von Radio Kärnten auf deren Echtheit überprüft wurden. 2004 versuchte man die Abstimmung über das Internet durchzuführen, doch eine verdächtig hohe Zahl an “Klicks” bei nicht gerade Superstars liess einen wieder davon Abkommen. Heute regiert die Telefonabstimmung.

Ein Ausblick

Nach mehr als 20 Jahren verabschieden sich langsam die Geburtshelfer des Eishockeymagazins in “höhere Weihen”. Willi Haslitzer, der Programmchef von Radio Kärnten ist leider überhaupt nicht mehr zu hören. Von Sportchef Tono Hönigmann sind die sporadischen Auftritte während einer Saison leider auch an einer Hand abzuzählen. Von den arrivierten Reportern bleibt somit nur noch Gustav Rainer, der uns noch lange erhalten bleibe.

Neue Gesichter, oder neue Stimmen haben es besonders schwer. Gert Miesenböck muss sich seinen vollen Respekt bei den Fans noch erarbeiten. Das ist ein natürliche Entwicklungsprozess der längere Zeit in Anspruch nimmt, auch Gustav Rainer hatte als “Novice” einen schweren Stand. Ich bin mir sicher, dass in 10 Jahren Gert Miesenböck im Eishockeymagazin längst “kult” sein wird.

Abschließend möchte ich sagen, dass durch die Live-Übertragungen von Premiere, und durch das Internet (hockeyfans.at, etc.) die Berichterstattung über Eishockey qualitativ und quantitativ besser geworden ist. Wie es so schön heisst: Mit den Zeiten ändern sich auch die Menschen. Dem möchte ich noch hinzufügen: Möge dem Kärntner Eishockeymagazin noch ein langes Leben beschieden sein!

(c) Viennawolf 28.02.2005

About the Author

has written 198 stories on this site.

Write a Comment

Gravatars are small images that can show your personality. You can get your gravatar for free today!

Copyright © 2019 Viennawolf-MAGAZIN. All rights reserved.
Powered by WordPress.org, Custom Theme and ComFi.com Calling Card Company.