Adam Smith, J. B. Say und J. M. Keynes

Diese drei Namen sind eng miteinander verbunden. Es ist wohl unbestritten, dass Adam Smith, mit seiner Entdeckung der Arbeitsteilung, des Marktes und des Zusammenhanges von Arbeit-Lohn-und Preis, Angebot und Nachfrage, als Begründer der neuzeitlichen Ökonomie zu bezeichnen ist. Es ist bekannt, oder sollte zumindest allgemein bekannt sein, dass Adam Smith Moralphilosoph war und aufgrund seiner erkenntnistheoretischen Fähigkeiten sein, das zum „Bestseller“ avancierte Buch über den Wohlstand der Nationen schrieb.

Dieses Buch, das nur gemeinsam mit seinem früheren Werk über die Theorie der menschlichen Gefühle richtig verstanden werden kann, bildete jahrzehntelang, und bildet zum Teil noch heute, die Grundlage liberaler Ökonomie und Gesellschaftspolitik. Es wäre wünschenswert, den Geist dieses Werkes in die Grundsatzüberlegungen liberaler Parteien einfließen zu lassen. Es soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass Ökonomie, als Lehre von der Wirtschaft aus sich allein nicht entsteht. Sie wird zur Volkswirtschaftslehre aufgrund Anwendung kausaltheoretischer Analysen ihrer Betreiber: d. h. durch empirische Beobachtung des sozialen Umfeldes einer Gesellschaft werden Zusammenhänge durch Erkenntnisse von Ursache und Wirkung freigelegt.

Aus dieser Lehre haben besonders liberale Parteien zu schöpfen, und sie sollten sogar auf diese wechselseitig gestaltend einwirken. Die posthum im Druck erschienene letzte Rede von Keynes vor dem Oberhaus, ein Bericht über Bretton-Woods und Washington, seinem großen Erfolg, der Gründung des Weltwährungsfonds und der Bank für Entwicklung und Wiederaufbau, Institutionen die noch heute existieren und die auf seine Initiative entstanden sind, endete mit folgenden Worten: „Hier handelt es sich um den Versuch, das zu nutzen, was wir aus den modernen Erfahrungen und der modernen Analyse gelernt haben, nicht um die weisen Lehren von Adam Smith zu bekämpfen, sondern um sie zu verwirklichen!“.

Karl Marx und seine Jünger und die A. Smith Kritisierenden haben zumeist die Werke von Smith nur zum Teil, als Kritik, oder gar nicht gelesen oder verstanden. Marx missbrauchte einige Aussagen von Smith für seine eigenen politischen Zwecke. In Mitteleuropa wurde A. Smith von den Konservativen und von den Nazi-Ideologen zum Vorbereiter des Marxismus pervertiert. Dies wird heute noch den Liberalen böswillig vorgehalten, wenn sich diese auf die Lehren von Adam Smith berufen. Diese argumentative Unterstellung ist, meiner Meinung nach, eine aus Wissensdefizit stammende Dummheit oder böse Absicht! Irgendwo habe ich den logischen Satz gelesen: Adam Smith schrieb von Diderot ab, Marx von Smith. War Diderot deswegen ein Marxist?

Die Feststellung und gleichzeitige Mahnung des großen Kenners und Übersetzers von A. Smith, Professor Recktenwald, sollte man sich zu Herzen nehmen: „Niemand sollte eigentlich über wirtschaftliche und politische Grundzusammenhänge mit Sachverstand urteilen oder die ökonomische Wissenschaft studieren, in ihr forschen oder gar lehren wollen, ohne den „Wohlstand der Nationen“ zu kennen“.

Aus liberaler Sicht muss unbedingt daran erinnert werden, dass früher die Ökonomie, als Lehre über das Haushalten, ein Teil der Moralphilosophie war. Seit sie aus dieser ausschied, hat sie mit Philosophie oder gar mit Moral nichts mehr zu tun. Seither haben die Betreiber der „nackten“ Ökonomie die wesentlichen Faktoren der Ökonomie, die Natur, den Menschen und seine Arbeit instrumentalisiert und degradierten die Ökonomie zur gnadenlosen Berechnungsmethode der Geldbewegungen. Oder beschränkten sie auf Konjunkturforschung, welche nur Symptome aber nicht deren Ursachen untersucht. Gesellschaftspolitische Analysen und Aussagen überlassen sie den neu geschaffenen Disziplinen Soziologie und Politologie, welche bemüht sind eine Beziehung zur Ökonomie herzustellen, aber zumeist nur über bescheidenes ökonomisches Wissen verfügen.

Noch schlimmer und daher gefährlich ist die heutzutage gängige Art, Entscheidungen sowohl ökonomischer, als auch gesellschaftspolitischer Natur, den Parteien und deren Protagonisten zu überlassen, die ihre Entscheidungen zumeist wahlarithmetischen Überlegungen unterwerfen. Diese Überlegungen wiederum werden nicht von Ökonomen formuliert, sondern von Meinungsforschern beeinflusst. Suchender Wanderer merke: Meinungen sind, Heimito Doderer zitierend, Hämorrhoiden des Gedankens!

Kein Wunder, dass seit Keynes kein neues, gesellschaftspolitisches relevantes und allgemein umfassendes ökonomisches Modell entstanden ist. Am wenigsten in Mitteleuropa. Und es stimmt einen ärgerlich-traurig, dass heutzutage auf dem Kontinent der Liberalismus von Nichtliberalen, von Konservativen, von Linken, von Politologen und leider auch von standpunktlosen Journalisten, – nur nicht von engagierten Ökonomen zu definieren versucht wird. Und, da keiner auf die Ursprünge des Liberalismus hinweisen kann oder will, werden, nach Belieben oder Interesse, Etiketten für den Liberalismus erfunden.

J. B. Say war von Adam Smith persönlich und von den in dessen Schriften enthaltenen Gedanken sehr beeindruckt; lehrte diese und verbreitete sie dadurch auf dem Kontinent. Auch ist es Say zu verdanken, dass Smith im Kreise der Ökonomen und Philosophen bekannt wurde. J. B. Say machte Smith nicht nur berühmt, sondern verband dessen Lehre mit seiner eigenen und ins besonders mit seiner Entdeckung, des nach ihm benannten Say ‘schen Gesetz, wonach jedes Angebot sich seine Nachfrage schafft, dass es in der Gesamtwirtschaft unbekannte Kräfte gibt, die das ständige Gleichgewicht suchen und auch finden.

Dadurch kann es zu keiner Überproduktion oder Arbeitslosigkeit kommen, weil mit der Produktion einer bestimmten Gütermenge zugleich ein Einkommen entsteht, das es ermöglicht, Gütermengen im gleichen Wert zu kaufen. Störungen dieses Gleichgewichts durch Überproduktion oder Arbeitslosigkeit, können daher nur von kurzer Dauer sein. Bekräftigt wurde das Say ‘sche Gesetz Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Utilitaristen J. S. Mill, der in seinen Principles noch hinzufügte, „eine Depression könnte ein Überfluss an Waren oder ein Mangel an Geld genannt werden“.

Diese Theorie durchdrang die gesamte Ökonomie des 19. und des angehenden 20. Jahrhunderts und war von den konservativen Taylor, Clark und Marshall repräsentiert und sie war gültig bis sie Keynes, wie schon zuvor erwähnt, 1936 mit der in seinem Buch dargelegten Theorie, auf den Kopf gestellt hatte.

(c)  1996 Lorant Rácz
COLLEGIUM LIBERALE
Österreichische Gesellschaft für Liberalismus

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