Das ökonomische Erbe von Keynes

Das ökonomische Erbe von Keynes

Was waren nun die großen Ideen und Taten von Keynes, die die Welt veränderten und den Kapitalismus revolutionierten?

Weltumfassende und zum Großteil verwirklichte, internationale finanz- und währungspolitische Ideen und Vorschläge: Abkehr von der Goldstandard-Währung, freier Welthandel, Schaffung einer Weltwährung und einer Institution zur Handhabung dieser.

Bretton-Woods

Schon als junger Professor der Ökonomie, mit ausgezeichneten mathematischen Kenntnissen, befasste sich Keynes mit internationalen Währungsproblemen und Problemen des internationalen Zahlungsverkehrs. Er wurde mit der Reorganisation der indischen Währung beauftragt. Er löste die Aufgabe mit Erfolg, schrieb darüber ein Buch und erhielt in Fachkreisen große Anerkenung. In Folge dessen wurde er als Ökonom Mitglied der Reparations-Kommission bei den Pariser Friedensverhandlungen. Er versuchte mit allen Mitteln der ökonomischen Vernunft, die hohen Reparationen gegenüber Deutschland aus reinen währungs-, und zahlungspolitischen Überlegungen zu verhindern.

Unter Protest verließ er die Delegation und prophezeite in seinem Buch „Die ökonomischen Konsequenzen des Friedens“ das in den 20er-Jahren eingetretene Desaster. Nicht nur die englische, auch die internationale Fachwelt wurde auf ihn aufmerksam. Als es später um die Finanzierung der antifaschistischen Kriegsführung und den Vorbereitungsarbeiten einer Wirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg ging, wurde Keynes als „der“ Experte herangezogen.

Bis dahin widmete sich Keynes, immer vom liberalen Grundsatz des freien Welthandels getrieben, seinem Lieblingsthema: Der Abkehr vom Goldstandard. In der Goldstandard-Währung sah er, was sich später als richtig herausstellte, das größte Hindernis auf internationalen Warenaustausch, der Erstellung ausgewogener Zahlungsbilanzen und der wirtschaftlichen Prosperität. Sein Buch „A Treatise on Money“ wurde zum Handbuch der Experten und ist es noch heute. Es dauerte fast 30 Jahre bis er seine Vorstellungen verwirklichen konnte.

Der 1941 von Präsident Roosevelt ernannte Finanzminister Morgenthau beauftragte seinen Sekretär Harry Dexter White den Plan eines Stabilisations-Fonds der Alliierten zu entwerfen. White war Schüler und Anhänger von Keynes. Beide kamen überein, dass bei einer zukünftigen Konferenz die Fehler, die nach dem ersten Weltkrieg gemacht wurden, unbedingt zu vermeiden sind. Sie beschlossen zum Beispiel, dass der Kapitalabzug aus den besiegten Ländern zu unterbinden sei.. Das Gegenteil ist zu erreichen! Es müsste durch Zuführung günstigen Kapitals zur Stabilisierung beigetragen werden.

Keynes stellte weiters die Bedingung, dass vom Goldstandard abgegangen werden muss, da wie in der Vergangenheit sich zeigte, durch das ständige konkurrierende Abwertungsspiel der der verschiedenen Währungen, keine Stabilisierung eintreten kann. Diese Bedingungen waren nichts Neues, da Keynes, durch das ständige Einfordern dieser, berühmt-berüchtigt und bekannt geworden ist.

1944 war es dann soweit. In Bretton-Woods setzten sich 44 Nationen zum Konferenztisch. Galbraith schrieb in einem Artikel der New York Times: Die Konferenz von Bretton-Woods war nicht eine einfache Konferenz zwischen Nationen – es war die Konferenz der Nationen mit Keynes. Dieser kam mit dem Vorsatz zur Konferenz, dass ein Währungssystem zu schaffen sei, das vor Inflation bewahrt, ohne Arbeitslosigkeit und/oder wirtschaftlicher Stagnation.

Alle Experten waren sich darüber einig, dass den Vorschlägen Keynes folgend, auch eine Institution zu schaffen sei, die kapital mäßig gut ausgestattet, den einzelnen Staaten, welche Schwierigkeiten mit ihrer Zahlungsbilanz haben, es ermöglicht, einen Zahlungsausgleich mittels Überbrückungskrediten zu erreichen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten von Abwertung zu vermeiden und sind die Wechselkurse festzulegen. Die Vorschläge wurden angenommen und Keynes Traum wurde, mit für ihn schmerzlichen Teilabstrichen, verwirklicht.

Man kam zwar vom Goldstandard ab und fixierte die Breite der Wechselkurse, aber im Verhältnis zum US-Dollar! Dieser wieder wurde, trotz heftigster Proteste von Keynes, an den Goldpreis gebunden! Die Stärke der Siegermacht USA setzte sich durch. Zwecks Betreuung der Zahlungsbilanzen und der Pflege der Wechselkurse wurde der Internationale Währungsfonds, der IMF, zwecks Erfüllung der Aufgaben von Kapitalbeschaffung wurde die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die IBRD, gegründet. Die Gründung dieser Institutionen war für die kapitalistische Gesellschaftsordnung revolutionierend und vereitelte das Vordringen des Marxismus in die westliche Hemisphäre! Ein Riesenverdienst des liberalen Keynes.

Vorher traf sich Keynes des öfteren mit Morgenthau und überzeugte diesen schließlich, von seinem bekannten, stark propagierten Plan, Abstand zu nehmen. Was ihm auch gelang. Keynes tat dies wiederum nicht aus Deutschfreundlichkeit oder Gerechtigkeit, sondern genauso, wie nach dem ersten Weltkrieg, aus ökonomischer Vernunft.

Leider gelang es ihm nicht, eine Weltwährung durchzusetzen. Diese Rolle nahm, auf US-Druck, der Dollar ein. Weiters gelang es ihm nicht, seinen Vorschlag zur Schaffung eines weltumspannenden Systems zwecks Koordination und Regelung der Weltwirtschaft, in welcher die Einzelinitiative aufblühen sollte, durchzusetzen.
Ein weiterer Kompromiss, den er eingehen musste, war die Duldung der US-Kontrolle über Verwendung der Ziehungsrechte, was vereinbarungsgemäß nur in Ausnahmefällen und nur der Institution zustand. Auch verweigerte der US-Kongress die Ratifizierung des Gründungsvertrages über die Internationale Handelsorganisation, ITO. Keynes machte gute Miene zum bösen Spiel und begnügte sich nach Außen mit den Teilerfolgen.In dieser Phase schien es, als kämpfe Keynes mit der Philosophie der Freiheit gegen die Philosophie des Diktates, schrieb Roy Hafrod, ein Beobachter de Szene.

Im Frühjahr 1946 fand sie konstituierende Vollversammlung des IMF und der IBRD in Savannah, Georgia statt. An dieser nahm auch Keynes teil und berichtete anschließend: Ich kam nach Savannah um die Welt zu treffen, dabei traf ich einen Tyrannen! Der große liberale Traum von Keynes wurde durch militärpolitisch bedingte Kompromisse eingeengt, aber doch verwirklicht. Keynes war unzufrieden und nahm sich die Ereignisse so zu Herzen, dass er kurze Zeit danach, ein Herzinfarkt erlag.

c)  1996 Lorant Rácz
COLLEGIUM LIBERALE
Österreichische Gesellschaft für Liberalismus

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