Der Austro-Keynesianismus: Eine Farce

Eigenartig ist es schon, dass in Ländern wo die Wirtschaft nach den Ideen und Vorschlägen von Keynes geordnet wurde, sein Name nie und nirgends plakativ herhalten musste. Nur in Österreich! Der Grund hierfür würde einem Nestroy-Stück alle Ehre machen.

Der sozialistische Bundeskanzler Kreisky, der frei von sich zugab, von Wirtschaft nichts zu verstehen, rief unter tosendem Applaus, nicht nur seiner Anhänger: Mir sind einige Milliarden Schulden lieber als einige zehntausend Arbeitslose! Und weil das Haupt-Thema von Keynes der Beschäftigung galt, musste für das schon damals unverantwortliche Schuldenmachen sein Name herhalten. Die Staatsverschuldung aber ist ein alter Hut und hat mit Keynes nichts zu tun.

Vergleicht man das privatwirtschaftliche, kapitalistische Umfeld, in das das Theorem von Keynes eingebettet wurde, mit dem wirtschaftlichen Umfeld in Österreich, so muss sachlich gleich festgestellt werden, dass das Theorem in Österreich von Haus aus nicht anwendbar sein konnte.

Das Schlagwort vom deficit spending war ein Missbrauch und war ein Beweis der Unkenntnis über das Keynes’sche Theorem. Nur weil Keynes beweisführend aus objektiver Notwendigkeit die Initiative des Staates zur Förderung der Beschäftigung forderte und es in Österreich Mitte der 70-er Jahre, nach einer noch nie da gewesenen Weltkonjunktur, es trotzdem zu einer steigenden Arbeitslosigkeit kam, benannten die linken und halb linken Ökonomen, und der damalige Finanzminister, als his masters voice seines Mentors und Bundeskanzlers, diese Vorgangsweise, da sie außer dem alten konservativen Konzepts des Abwartens alle kein eigenes Konzept hatten, nach Keynes.

Dieser war schon tot, konnte sich nicht wehren, und der alte Hut, das Schuldenmachen, hatte einen attraktiven Namen. Die nicht linken Ökonomen schwiegen, weil sie selbst, zu der zeit, Keynes entweder nur aus Kritiken kannten, oder nicht gelesen, studiert oder verstanden haben. Sie hätten sich bestimmt gerührt, hätten sie ein Gegenargument oder Konzept gehabt.

c)  1996 Lorant Rácz
COLLEGIUM LIBERALE
Österreichische Gesellschaft für Liberalismus

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