J. M. KEYNES (1883-1946)

1996 jährte sich zum fünfzigsten Mal der Todestag von John Maynard Keynes, dem wichtigsten, wenn nicht dem größten Ökonomen seit Adam Smith. Diese Zeilen sollen nicht ein Nekrolog werden, obwohl sie einer sein könnten oder sein sollten, da die Öffentlichkeit und die Medien in Österreich nichts zu vermerken hatten.

Es soll gerade das Gegenteil eines Nekrologes werden: Ein Weckrufen, ein in Erinnerung rufen, dass das Monetärsystem der Welt und die Volkswirtschaften kapitalistisch orientierter Gesellschaften noch heute auf den grundlegenden Lehren, Ideen und Vorschlägen von Keynes basieren! Nur auf Grund dieser Lehre könnte die kapitalistische Ökonomie und der freie Kapitalismus den Wettlauf gegen totalitäre Wirtschaftssysteme überleben. Nicht zufällig nannte ihn der bekannte Ökonom Lekachman „Revolutionär des Kapitalismus“ in seinem gleichnamigen Buch. Zum Leidwesen des gesamten sowohl konservativ- als auch linksorientierten Ökonomen, die in ihrer ohnmächtigen Wut Keynes einen Sozialisten nannten, der dem Staatskapitalismus frönt. Dem gegenüber könnte man fast als Omen deuten, dass Keynes in dem Jahr geboren wurde, in dem Karl Marx gestorben ist.

Gleichzeitig soll auch den sich seit den 70-er Jahren liberal gebärdenden neo-konservativen Ökonomen und den „Chicago-Boys“ widersprochen werden, die utilitaristischen Monetarismus als Liberalismus verkaufen wollen. Respektive Konservative, die desinformierend den „Neoliberalismus“ verkünden und sich freudig gebärden, wenn Linke sie so nennen.

Keynes ist nicht tot! Das Problem der allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes ist heute genauso brennend aktuell wie es zur Zeit der großen Depression (und seither des öfteren) war. Es war kein Zufall, dass Keynes sein revolutionierendes Buch nach diesen Problemen benannt hat und dem Problem der Beschäftigung, d. h. der Arbeit, seit den Physiokraten und A. Smith, als einziger Ökonom besondere Wichtigkeit beigemessen hat. Geht es doch in Grunde genommen um nichts Wesentlicheres als um Beschäftigung und ihrer Auswirkung, seit es die arbeitsteilige Gesellschaft gibt!

Das Buch erschien 1936, vor genau 60 Jahren, in Großbritannien und den USA gleichzeitig und stellte die bis dahin geltende klassisch-orthodoxe Ökonomie auf den Kopf. Dieser Jahrestag hätte zumindest eine wissenschaftliche Würdigung verdient. Im Folgenden soll weiters das Hauptanliegen dieser Abhandlung erörtert werden. Und zwar inwieweit Keynes ein Liberaler war und ob seine Vorschläge, wie die von Adam Smith, als Wegweiser liberaler Ökonomie und daher auch als liberale gesellschaftspolitische Verhaltensweisen betrachtet werden können.

Voraussetzung dafür ist, dass von der Prämisse ausgegangen wird, dass liberale Gesellschaftspolitik sich nur dann glaubhaft artikulieren kann, wenn sie auf ökonomischen und ethischen Grundsätzen basierend, aus diesen hervor geht. Den Konsens und Dialog suchend, könnte so, in einem ständigen dialektischen Prozess, der Wohlstand einer Nation angestrebt werden. Näher betrachtet, hat sich seit über 200 Jahren diesbezüglich nichts geändert: Der Liberalismus ist Garant neuzeitlicher Demokratien zu definieren!

Nachstehend wird der Versuch unternommen, mittels einer großen Persönlichkeit, wie Keynes, zu beweisen, dass der Liberalismus eine gute – im wahrsten Sinne des Wortes – eine gute Sache sei, und nicht, wie links oder rechtsorientierte Soziologen, Politologen oder Ökonomen behaupten, der Liberalismus sei nicht mehr aktuell.

Ich wage die Behauptung: Gerade das Gegenteil ist richtig! Eine weitere, wesentliche Motivation zu dieser Publikation sind die, meiner Ansicht nach, notwendigen Richtigstellungen von thesenartigen Annahmen, respektive die Aufklärungsbedürftigkeit aufgestellter Behauptungen diverser Publizisten und Medien, wonach, unter anderem, die Nobelpreisträger Hayek und Friedman, der Philosoph Pooper, die Protagonisten der Schule der österreichischen Ökonomie, Reagan und Thatcher, ja selbst der Professor und spätere Nationalbankpräsident Kamitz und neuerdings auch der postkommunistische Tschechenprmier Klaus, Liberale sind bzw. waren.

Die, die all dies behaupten, müssen eine eigenartige Vorstellung von Liberalismus haben. Sollten die nachstehenden Zeilen, neben Kopfschütteln und Protesten, wenn auch nur teilweises Verständnis bewirken, und es gelänge, die Ansichten und Auffassungen, so wäre das bereits ein bescheidener, jedoch mit Genugtuung zur Kenntnis genommener Erfolg.

(c)  1996 Lorant Rácz
COLLEGIUM LIBERALE
Österreichische Gesellschaft für Liberalismus

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