Liberalismus und Sozialdemokratie – Teil 12

Motto:
Lechts und Rinks welden
sehl reicht velwechsert
(Ernst Jandl)

Der Reigen der Utopisten von Fourier über Owen, Saint-Simon, Proudhon u. a. endete mit Karl Marx und Friedrich Engels, die nach Verkündung des Kommunistischen Manifestes nicht stehen geblieben sind. Es folgte „Das Kapital“, mit dem Marx noch einige Schäuflein dazulegte. Ausgangspunkt seiner „Wissenschaft“ war die seinerzeit auch tatsächlich vorhanden gewesene körperliche und geistige Verelendung der besitzlosen Klasse der Arbeiterschaft, des Proletariats, wie Marx sie unrichtig, ja beleidigend benannte. Laut Marx wird die stete Verelendung der Massen durch die antagonistischen Produktionsverhältnisse und der Akkumulation des Kapitals in den Händen der Kapitalisten hervorgerufen. Es gilt daher dieses Verhältnis radikal zu verändern. Gemäß dem Dogma des zur politischen Religion erhobenen dialektischen und historischen Materialismus, wird durch die geschichtliche Notwendigkeit hervorgerufene Weltrevolution* das individuelle Eigentum abgeschafft*. Denn nur durch die Abschaffung des Eigentums kann der Antagonismus der innerhalb der herrschenden Produktionsverhältnisse zwischen den Produktivkräften und den Produktionsmitteln eliminiert werden. Die darauf folgende Diktatur des Proletariats dient zur Festigung der sozialistischen Produktionsverhältnisse d.h. dem Sozialismus, dessen Losung lautet: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seiner Leistung!“ Dies ist die erste Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Kommunismus in dem die Losung lautet: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen“. Diese Thesen wurden im „Kommunistischen Manifest“ sowie im dreibändigen Werk von Karl Marx „Das Kapital“, in welchem er zusätzlich seine ökonomischen Milchmädchenrechnungen darbot, festgehalten. Es ist unverständlich, wieso diese Schriften noch immer auf einige Intellektuelle wirken können, obwohl die darin verfassten Thesen, durch die laufende Zunahme des Wohlstandes in demokrati-schen Ländern längst obsolet geworden sind.

Die Sozialdemokratie bemühte sich einen Sozialismus genannten Idealzustand zu verwirklichen, einer Imagination, die zur Beschreibung eines Bestrebens verwendet wird, durch das irgendwann, irgendeine Form eines gemeinsamen Eigentums (z.B. genossenschaftliches) an den Produktionsmitteln, und eine Art Wirtschaft eintreten wird, in der das individuelle Gewinnmotiv durch das Gemeinwohl ersetzt wird. Dieses, besonders bei jungen Leuten Anklang findende Herz-Weltschmerz Zukunftsszenario enthält zugegebenermaßen viel Charme, führt aber die Massen hinters Licht. Denn das Eintreffen dieses vorgesehenen Zustandes bleibt ein nicht einklagbares Versprechen, das bis heute, trotz eines mehr als Hundertjährigen Kampfes mit demokratischen Mitteln und trotz eines mehr als siebzigjährigen blutigen Versuchs mit allen Mitteln der Gewalt im „real existierenden“ Sozialismus, nicht verwirklicht werden konnte.

Die Zukunftsvisionäre hätten auf Grund ihres Wissens die Unmöglichkeit der Entstehung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung schon längst erkennen müssen. Denn nur aus den historischen Erfahrungen der Vergangenheit und ohne vorherige Lösung der Gegenwartsprobleme, ist der Aufbau einer zukünftigen Zivilisation zum Scheitern verurteilt. Alle diesbezüglichen Versuche sind nichts anderes als ein zu verachtendes und zu bekämpfendes, brutales und zumeist blutiges Experiment mit Menschen.

Ist diese Erkenntnis Ursache des mehrmaligen ideologischen Wandels der Sozialdemokratie?

Zu Teil 13

(c) Collegium Liberale 2012
www.collegium-liberale.at

Der Autor, Dr. Lorant Racz war u.a. Leiter der AG zur Ausarbeitung des Grundsatzprogrames der FDP,
der ersten liberalen Partei Österreichs

*

* Anmerkung: Die Abkehr vom Dogma der Weltrevolution zur nationalen Revolution war eine stille Revision des Marxismus. Lenin machte aus Eigennutz den Verrat an der Weltrevolution mit seinem Pamphlet „Der Sieg des Sozialismus in einem Land“ perfekt.

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